KI-Agenten

Anthropic lässt Claude in Firmen per Knopfdruck andocken — Schluss mit dem Klick-Marathon

Anthropics KI-Assistent Claude kann sich in Unternehmen jetzt automatisch mit anderen Programmen verbinden: Die IT-Abteilung richtet die Zugänge einmal ein, und jeder Mitarbeiter hat sie beim ersten Anmelden sofort parat. Möglich macht das eine neue Technik namens „Enterprise-Managed Authorization", die Anthropic gestern gemeinsam mit dem Identitätsdienst Okta vorgestellt hat. Bisher musste sich jeder selbst durch lästige Zustimmungsfenster klicken — dieser Schritt fällt nun weg.

Was bedeutet das: Für Firmen wird es spürbar leichter, eigenständig arbeitende KI in den Arbeitsalltag zu holen, ohne dass die Sicherheitsabteilung die Kontrolle verliert — alles läuft zentral über die hauseigene Anmeldung. Mit dabei sind vom Start weg bekannte Werkzeuge wie Asana, Atlassian, Canva, Figma und Linear.

Quelle: Okta

Robotik

Chinas UBTech verkauft menschenähnliche Roboter über JD.com — und 2.000 Leute haben schon angezahlt

Der chinesische Hersteller UBTech nimmt für seinen lebensecht gestalteten Roboter U1 seit wenigen Tagen Vorbestellungen über die Online-Plattform JD.com entgegen — und mehr als 2.100 Kunden haben bereits eine Anzahlung von rund 450 Dollar hinterlegt. Den Roboter gibt es in einer männlichen Variante (1,83 Meter, 42 Kilo) und einer weiblichen (1,68 Meter, 35 Kilo), beide mit 88 beweglichen Gelenken. Den endgültigen Preis — Schätzungen reichen bis 30.000 Dollar — will UBTech am 30. Juni verraten.

Was bedeutet das: Humanoide Roboter wandern in China vom Messestand in den ganz normalen Online-Shop — man bestellt sie künftig wie einen Fernseher. Ob die Maschinen im Alltag halten, was die Hochglanzvideos versprechen, zeigt sich erst bei der Auslieferung im September.

Quelle: Gasgoo

Boston Dynamics liefert seinen neuen Atlas aus — die ersten Roboter gehen an Hyundai und Google

Der US-Roboterbauer Boston Dynamics hat begonnen, seinen vollelektrischen Menschenroboter Atlas auszuliefern — die komplette Jahresproduktion 2026 geht an nur zwei Abnehmer: den Mutterkonzern Hyundai und Googles Forschungslabor DeepMind. Atlas läuft seit März in Serienfertigung; andere Kunden kommen frühestens 2027 zum Zug. Hyundai und Boston Dynamics bauen zudem eine Fabrik, die einmal bis zu 30.000 Atlas-Roboter pro Jahr herstellen soll.

Was bedeutet das: Während China seine Roboter im Dutzend in den Online-Handel kippt, gehen die westlichen Maschinen vorerst nur an Großkunden hinter Werkstoren — Auto-Montage und Forschung zuerst, Wohnzimmer später. Wer einen Atlas im echten Einsatz sehen will, muss also in eine Hyundai-Fabrik schauen.

Quelle: Boston Dynamics

Was die Modelle können

Snap baut eine 2.195-Dollar-Brille mit KI auf der Nase — und erklärt das Smartphone für vorgestern

Snap, die Firma hinter der App Snapchat, hat eine Datenbrille namens Specs vorgestellt, die digitale Bilder direkt ins Sichtfeld blendet und einen KI-Assistenten mitbringt, der beim Navigieren, Übersetzen und Arbeiten helfen soll. Firmenchef Evan Spiegel nennt sie den „Computer der Zukunft" und verlangt dafür 2.195 Dollar — Auslieferung im Herbst in den USA, Großbritannien und Frankreich. Fast zwanzig Jahre nach dem ersten iPhone, so Spiegel, seien die Leute bereit, anders über Computer nachzudenken.

Was bedeutet das: Die Tech-Branche wettet, dass die nächste KI nicht aufs Display, sondern auf die Brillengläser kommt — und du mit ihr sprichst, statt zu tippen. Ob jemand 2.195 Dollar für einen Computer im Gesicht zahlt, ist die andere Frage.

Quelle: CNBC

Regeln & Recht

Brüssel gibt der Industrie mehr Zeit — die strengsten KI-Regeln kommen erst Ende 2027

Die EU verschiebt mit ihrem geplanten „Digital Omnibus" die schärfsten Auflagen ihres KI-Gesetzes für besonders heikle Anwendungen vom August 2026 auf Dezember 2027. Verboten bleibt schon jetzt, was als hochriskant gilt — etwa heimliche Gesichtsdatenbanken —, und auch die Regeln für große Basismodelle (die KI-Fundamente, auf denen viele Dienste aufbauen) gelten weiter. Aufgeschoben wird vor allem der Aufwand für sogenannte Hochrisiko-Systeme, etwa in der Personalauswahl oder bei der Kreditvergabe.

Was bedeutet das: Unternehmen bekommen über ein Jahr länger Luft, ihre KI-Systeme an die Vorgaben anzupassen — Kritiker sehen darin ein Aufweichen, die Industrie ein Durchatmen. Für dich heißt das: Die versprochenen Schutzregeln bei Bewerbung oder Kredit lassen länger auf sich warten.

Quelle: White & Case

Jobs & Geld

Indien schickt seine KI-Gründer nach Paris — Bewerbungsfenster offen bis 28. Juni

Die indische Regierung hat über ihr Programm „IndiaAI" eine zweite Runde gestartet, die zehn ausgewählte KI-Startups für vier Monate nach Paris bringt — mit Förderung, Mentoren und Kontakten zu Geldgebern. Die Bewerbung läuft seit dem 15. Juni, Einsendeschluss ist der 28. Juni, Start im September. Indische Jungfirmen haben in diesem Jahr bereits Rekordsummen an KI-Geldern eingesammelt.

Was bedeutet das: Indien will seine KI-Talente nicht nur im eigenen Land halten, sondern gezielt auf den Weltmarkt schieben — ein Standortrennen, das längst nicht mehr nur zwischen den USA und China läuft. Für europäische Gründer wird die Konkurrenz aus Asien damit greifbarer.

Quelle: IndiaAI

Tech-Konzerne streichen so viele Stellen wie nie — und die KI-Begründung wackelt

In diesem Jahr haben Technologiefirmen schon mehr als 185.000 Stellen gestrichen, im Schnitt über 1.000 pro Arbeitstag — fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Viele Konzerne nennen die KI als Grund, doch eine aktuelle Auswertung zeigt: Die Kürzungen verbessern die Rendite der Unternehmen bisher nicht messbar. Rund 50.000 der Streichungen lassen sich konkret auf KI zurückführen.

Was bedeutet das: Die KI dient manchem Vorstand offenbar als bequeme Begründung für Sparmaßnahmen, die ohnehin geplant waren — der versprochene Effizienzgewinn bleibt vorerst eine Behauptung. Für Beschäftigte heißt das: Der Verweis auf die KI rettet keinen Arbeitsplatz, beweist aber auch noch keinen Nutzen.

Quelle: TechTimes

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Zwischen einem 2.195-Dollar-Computer auf der Nase und Robotern aus dem Online-Warenkorb frage ich mich nur, wer am Ende den Stecker findet.

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