AGI & Frontier-Modelle
China stellt eine KI vor, die nicht nur redet, sondern die Welt versteht
Auf der Pekinger KI-Konferenz hat das staatliche Forschungsinstitut BAAI gestern Physis-v0.1 enthüllt — nach eigenen Angaben das weltweit erste allgemeine „Weltmodell". Während die bekannten Sprachmodelle gelernt haben, Texte zusammenzusetzen, soll diese KI begreifen, wie die echte Welt funktioniert: dass eine Tasse zerbricht, wenn sie fällt, und ein Glas kippt, wenn man es schief abstellt. Auf der Bühne spielte derweil ein humanoider Roboter Tischtennis — ein Wink darauf, wofür das Ganze gedacht ist.
Was bedeutet das: Damit Roboter eines Tages in Fabrik, Lager oder Wohnzimmer arbeiten, müssen sie physikalisches Alltagswissen mitbringen, das jedes Kind hat, Maschinen aber bis heute fehlt. China versucht, sich genau bei diesem nächsten Schritt — weg vom Chatbot, hin zur handelnden Maschine — früh an die Spitze zu setzen.
Quelle: CGTN
Anthropic schreibt mittlerweile 80 Prozent seines Codes von der KI — und ruft zur Vollbremsung auf
Der KI-Hersteller Anthropic, Macher des Chatbots Claude, hat Anfang Juni ein vielbeachtetes Papier veröffentlicht und darin eine bemerkenswerte Zahl genannt: Über 80 Prozent des Programmcodes im eigenen Haus wird inzwischen von der eigenen KI geschrieben, nicht mehr von menschlichen Programmierern. Im selben Atemzug fordert die Firma eine weltweit abgestimmte Denkpause bei der Entwicklung der stärksten Systeme, weil der Mensch die Kontrolle zu verlieren drohe. Pikant ist der Zeitpunkt: Anthropic bereitet gerade seinen Börsengang vor.
Was bedeutet das: Wenn ausgerechnet einer der führenden Hersteller warnt, die Technik laufe ihm davon, und zugleich Milliarden an der Börse einsammeln will, darfst du beide Botschaften nebeneinander stehen lassen und dir dein Teil denken. Für alle anderen heißt die 80-Prozent-Zahl vor allem: Der Programmiererberuf verändert sich schneller, als die meisten Stellenausschreibungen es zugeben.
Quelle: SiliconAngle
Was die Modelle können
Xiaomis KI spuckt 1.000 Wörter-Bausteine pro Sekunde aus — auf ganz normaler Hardware
Der chinesische Handy-Konzern Xiaomi hat vor wenigen Tagen eine Turbo-Variante seines Sprachmodells MiMo gezeigt, die über 1.000 Tokens — so heißen die kleinen Texteinheiten, in denen eine KI denkt und schreibt — pro Sekunde liefert. Das Erstaunliche ist nicht das Tempo allein, sondern dass dafür kein Spezial-Supercomputer nötig ist, sondern acht handelsübliche Grafikkarten in einem Server reichen. Die Testphase über die Programmierschnittstelle läuft noch bis zum 23. Juni.
Was bedeutet das: Je schneller und billiger eine KI antwortet, desto eher landet sie in Anwendungen, die du täglich nutzt — von der Suche bis zum Assistenten im Büro. Dass das ohne teure Sonderhardware geht, drückt langfristig die Preise und nimmt den ganz großen Chipherstellern ein Stück ihrer Sonderstellung.
Quelle: Gizmochina
KI-Training & Forschung
Lateinamerika baut sich seine eigene KI — und holt sich dafür drei Präsidenten an einen Tisch
Diesen Monat startet das Projekt FiatLatam, mit dem Brasilien, Mexiko und Uruguay gemeinsam Sprachmodelle entwickeln wollen, die die Sprachen, Eigenheiten und den Alltag der Region wirklich abbilden. Angeschoben wurde die Sache bei einem Treffen am Supercomputer-Zentrum in Barcelona, zu dem die Staatschefs Lula, Sheinbaum und Orsi persönlich erschienen. Es ist der Versuch, nicht länger nur Modelle aus dem Silicon Valley zu importieren.
Was bedeutet das: Eine KI, die mit US-Daten trainiert wurde, kennt den brasilianischen Behördendschungel oder mexikanische Redewendungen nur vom Hörensagen. Wer Modelle in der eigenen Sprache und Kultur baut, macht sich unabhängiger — ein Gedanke, den man auch in Europa gut kennt, aber selten so beherzt umsetzt.
Quelle: AIwire
Jobs & Geld
GitHubs Programmierhilfe rechnet jetzt pro Klick ab — und mancher zahlt drauf
Seit dem 1. Juni stellt GitHub, die zu Microsoft gehörende Heimat von Millionen Programmierern, seine KI-Hilfe Copilot auf nutzungsbasierte Abrechnung um. Statt einer festen Monatspauschale gibt es nun „AI Credits", wobei ein Credit einen US-Cent kostet und sich jede Anfrage nach Verbrauch summiert. Automatische Code-Vorschläge bleiben gratis, alles Aufwändigere kostet extra.
Was bedeutet das: Was als planbares Abo begann, wird zum Taxameter — du zahlst, was die KI an Rechenleistung frisst. Für Gelegenheitsnutzer kann das günstiger sein, für Vielnutzer teurer, und es zeigt einen Trend, der bald viele KI-Dienste erfassen dürfte: Das All-you-can-eat-Buffet wird zur Rechnung nach Gewicht.
Quelle: GitHub Blog
Ein kongolesischer Gründer baut Afrikas KI-Fundament — mit Rechenzentren auf dem Kontinent
Das Startup Yamify hat frisches Geld eingesammelt, um eine Art Baukasten für KI-Anwendungen aufzubauen, mit dem Freelancer und kleine Agenturen in Afrika KI-Werkzeuge in unter einer Minute startklar machen können. Das Besondere: Die dafür nötigen Rechner stehen in Nigeria, im Kongo und in Südafrika — nicht in Kalifornien. Gegründet hat die Firma der Kongolese Luc Okalobé.
Was bedeutet das: Afrikas KI-Investitionen sind zuletzt dramatisch eingebrochen, während in den USA Milliarden fließen — umso mehr zählt jeder Anbieter, der die Technik im eigenen Kontinent verankert statt sie nur einzukaufen. Wer die Rechenzentren im eigenen Land hat, behält Daten, Wertschöpfung und Jobs dort, wo die Nutzer sind.
Quelle: Tech In Africa
SAP päppelt in Indien 16 KI-Startups groß — von Robotik bis quantensicherer IT
Der deutsche Software-Riese SAP hat in seinem Entwicklungszentrum in Indien Anfang Juni den neuen Jahrgang seines Startup-Förderprogramms vorgestellt: sechs Monate Begleitung für 16 junge Firmen aus Bereichen wie Unternehmens-KI, eigenständig arbeitenden KI-Systemen, Robotik und abhörsicherer Verschlüsselung. Es ist das zehnte Jahr des Programms — ausgerechnet in Indien, dem Land mit dem größten Nachschub an KI-Talenten.
Was bedeutet das: Die großen Tech-Konzerne liefern sich gerade ein Wettrennen um Indiens Gründer und Programmierer, und ein deutscher Konzern mischt vorne mit. Für dich heißt das: Ein wachsender Teil der KI, die morgen in europäischen Büros läuft, wird in Bengaluru ausgedacht und gebaut.
Quelle: ThePrint
— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. China lehrt die Maschinen das Fallenlassen von Tassen, Anthropic lässt sich den eigenen Code von der KI tippen und ruft zugleich zum Innehalten — ich nehme noch einen Espresso und beobachte, wer als Erster blinzelt.