AGI & Frontier-Modelle

Anthropic eröffnet ein Büro in Seoul — und bindet Südkoreas KI-Szene an Claude

Anthropic, das US-Unternehmen hinter dem KI-System Claude, hat in Seoul ein Büro eröffnet und gleich ein Bündel an Partnerschaften mit südkoreanischen Firmen und Institutionen verkündet. Nach Japan ist Südkorea damit der zweite große asiatische Markt, in dem die Amerikaner Fuß fassen — dort sitzen Samsung, Hyundai und ein ganzes Heer KI-hungriger Konzerne.

Was bedeutet das: Der KI-Wettlauf wird globaler. Wer in Asien einen Schreibtisch hat, kämpft dort um Großkunden, um Talente und um die Daten, die in der Region anfallen — und überlässt das Feld nicht den heimischen Anbietern.

Quelle: Anthropic

Robotik

Chinas Roboter-KI Spirit v1.6 schlägt Nvidia — und China baut neun von zehn Robotern der Welt

Ein junges Unternehmen aus Hangzhou, Spirit AI, hat mit seinem Modell Spirit v1.6 die Bestenliste von RoboArena erobert — ein Test, den Nvidia gemeinsam mit den Universitäten Stanford und Berkeley betreibt, um zu messen, wie gut eine KI echte Roboter steuert. Spirit kam auf 1.924 Punkte und schob damit Nvidias eigenes Spitzenmodell vom Thron, das die Führung ganze zwei Tage gehalten hatte. Schon 2025 lieferten chinesische Hersteller rund 90 Prozent aller menschenähnlichen Roboter weltweit aus.

Was bedeutet das: Die bequeme These — China baut die Körper, Amerika programmiert die Hirne — bekommt Risse. Wer die meisten Roboter ausliefert, sammelt die meisten Bewegungsdaten, und genau die machen die nächste Roboter-KI klüger. Hardware und Software lassen sich eben nicht sauber trennen.

Quelle: Tech Times

Was die Modelle können

OpenAIs ChatGPT beantwortet Gesundheitsfragen jetzt besser als Ärzte — sagt OpenAI

OpenAI hat gestern erklärt, dass sein Modell GPT-5.5 Instant — die Standardversion von ChatGPT, die jeder gratis nutzen kann — bei Gesundheitsfragen besser abschneidet als Antworten, die echte Ärzte mit unbegrenzter Zeit und Internetzugang verfasst haben. Ein Gremium von Medizinern bewertete 3.500 Antworten; die KI lag bei Genauigkeit, Verständlichkeit und Vollständigkeit vorn. OpenAI spricht von 71 Prozent weniger Faktenfehlern — bei über 230 Millionen Gesundheitsfragen pro Woche.

Was bedeutet das: Millionen Menschen fragen längst die KI statt den Hausarzt. Tröstlich, wenn sie seltener Unsinn erzählt — heikel, wenn man ihr blind vertraut. Ein zweiter Blick beim echten Doktor schadet weiterhin nicht.

Quelle: Becker's Hospital Review

Regeln & Recht

US-Abgeordnete wollen chinesische Roboter aus sensiblen Bereichen verbannen

Ein Ausschuss des US-Repräsentantenhauses hat einen Gesetzentwurf eingebracht, den GUARD Act, der Roboter aus Ländern wie China einer Sicherheitsprüfung unterziehen und bei erkanntem Risiko verbieten soll. Hintergrund sind dokumentierte Schwachstellen: In Robotern des chinesischen Herstellers Unitree fanden Forscher eine Hintertür und eine Funkverbindung, die im Normalbetrieb Daten an Server in China schickte. Schon im März hatten die Senatoren Tom Cotton und Chuck Schumer ein ähnliches Gesetz für US-Behörden auf den Weg gebracht.

Was bedeutet das: Ein humanoider Roboter ist auch eine Kamera und ein Mikrofon auf Beinen. Sobald solche Maschinen in Fabriken und Wohnzimmer einziehen, wird ihre Herkunft zur Sicherheitsfrage — eine Debatte, die früher oder später auch Europa führen wird.

Quelle: U.S. House Select Committee on the CCP

Jobs & Geld

Indiens Reliance stellt heute seinen KI-Fahrplan vor — und plant rund 100 Milliarden Dollar

Indiens größter Mischkonzern Reliance hält heute seine Hauptversammlung, und Konzernchef Mukesh Ambani will dort den Börsengang seiner Telekom-Tochter Jio sowie eine Strategie für Künstliche Intelligenz präsentieren. Bereits angekündigt ist der Rahmen: Reliance und Jio wollen über sieben Jahre umgerechnet rund 100 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken — riesige Rechenzentren in Jamnagar, von denen noch 2026 erste 120 Megawatt ans Netz gehen sollen.

Was bedeutet das: Indien will nicht bloß KI-Kunde sein, sondern eigene Fundamente gießen. Wenn ein Land mit 1,4 Milliarden Menschen seine eigenen Rechenzentren hochzieht, verschiebt das ganz langsam das globale Kräfteverhältnis.

Quelle: Business Today

Spielehersteller Ubisoft streicht fast 400 Stellen — und setzt zugleich auf KI

Der französische Videospiel-Konzern Ubisoft, bekannt für Reihen wie Assassin's Creed, schließt seine Studios im kanadischen Winnipeg und im serbischen Belgrad und entlässt fast 400 Mitarbeiter — die bereits sechste Entlassungsrunde in diesem Jahr. Der Konzern verbuchte zuletzt einen Verlust von 1,5 Milliarden Euro und will bis 2028 eine halbe Milliarde Euro einsparen. Gleichzeitig investiert Ubisoft kräftig in generative KI für die Spielentwicklung — gegen den Widerstand vieler Entwickler.

Was bedeutet das: Oben gespart, unten auf KI gesetzt — ein Muster, das sich durch die ganze Branche zieht. Für die Beschäftigten klingt „KI-Effizienz“ oft nach einem höflichen Wort für Kündigung.

Quelle: PC Gamer

Australien verbucht seinen größten Rechenzentrums-Deal — 555 Megawatt für die KI

Der Betreiber CDC Data Centres hat in Australien den größten Rechenzentrums-Auftrag der Landesgeschichte an Land gezogen: 555 Megawatt für einen ungenannten US-Investor. Zum Vergleich: Das entspricht rund 40 Prozent aller Rechenzentren, die Australien Ende 2025 überhaupt in Betrieb hatte. Ans Netz gehen soll die Kapazität in den Geschäftsjahren 2028 und 2029.

Was bedeutet das: Der Hunger der KI nach Rechenleistung erreicht jeden Kontinent. Australien, lange Randfigur im KI-Geschäft, wird zum Standort — mitsamt allen Fragen zu Strom und Wasser, die so ein Koloss aufwirft.

Quelle: Data Center Knowledge

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Während die einen Roboter zählen und die anderen Stellen streichen, zähle ich die Tassen Espresso, die dieser Morgen gebraucht hat. Es waren drei.

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