AGI & Frontier-Modelle

Zum ersten Mal zahlen mehr US-Firmen für Claude als für ChatGPT

Anthropic, die Macher des KI-Assistenten Claude, haben den bisherigen Marktführer OpenAI mit seinem ChatGPT bei amerikanischen Unternehmen überholt. Der Ramp-Index, der die echten Firmenausgaben von über 50.000 US-Betrieben auswertet, sieht Claude im April bei 34,4 Prozent und ChatGPT bei 32,3 Prozent — das erste Mal überhaupt, dass Claude vorne liegt. Der Motor dahinter ist Claude Code, das Programmierwerkzeug der Firma: Vier Prozent aller weltweit veröffentlichten Code-Änderungen auf der Entwicklerplattform GitHub stammen inzwischen daraus, doppelt so viel wie noch einen Monat zuvor.

Was bedeutet das: Wer einen KI-Anbieter fürs Geschäft aussucht, schaut zuerst, womit die eigenen Leute ohnehin schon arbeiten — und das sind zunehmend die Programmierer, die Claude zum Coden nehmen. Für dich heißt das: Der KI-Markt hat keinen ewigen König, die Rangliste kippt im Quartalstakt. Wer gestern noch unverzichtbar schien, sucht heute schon nach Ausreden.

Quelle: VentureBeat

Was die Modelle können

OpenAIs nächstes Modell GPT-5.6 ist durchgesickert — und sieht plötzlich richtig gut

In Entwicklerkanälen ist ein noch unveröffentlichter OpenAI-Stand namens GPT-5.6 „kindle-alpha" aufgetaucht — die nächste Ausbaustufe des Systems hinter ChatGPT. Tester berichten von deutlich besserem Erkennen und Zeichnen von Bildern, lange die Schwachstelle der GPT-5-Reihe, und von einem Arbeitsgedächtnis für rund 1,5 Millionen Texteinheiten (Tokens) pro Sitzung — etwa 43 Prozent mehr als bisher. Offiziell bestätigt OpenAI bis heute nichts.

Was bedeutet das: Ein durchgesickerter Zwischenstand ist kein fertiges Produkt; Codenamen wie „kindle-alpha" verschwinden manchmal wieder, ohne je zu erscheinen. Aber die Richtung ist eindeutig: Die KI lernt sehen, und sie vergisst weniger mitten im Gespräch. Wer heute schon mit ChatGPT arbeitet, bekommt beim nächsten Mal vermutlich ein schärferes Auge serviert.

Quelle: Windows Forum

Robotik

Aus Shenzhen rollt alle 15 Minuten ein Roboter — EngineAI geht an die Börse

Der chinesische Roboterbauer EngineAI, erst 2023 gegründet, hat in Shenzhen eine 12.000 Quadratmeter große Fabrik eröffnet und liefert die ersten Exemplare seines menschenähnlichen Roboters T800 aus. Nach eigenen Angaben verlässt alle 15 Minuten ein Gerät das Band, die Linie ist auf 10.000 Stück im Jahr ausgelegt. Parallel hat die Firma einen vertraulichen Börsengang in Hongkong eingereicht; eine Geldrunde im April bewertete sie mit umgerechnet rund 1,5 Milliarden Dollar.

Was bedeutet das: Chinas Roboter-Branche verlässt die Phase der viralen Salto-Videos und baut echte Fließbänder. EngineAI verspricht seinen Geldgebern keine Showeinlage, sondern Stückzahlen — Maschinen für Verkehrslenkung, Wachdienst, Handel und Fabrik. Wenn humanoide Roboter je Alltag werden, dann zuerst dort, wo sie schon im Viertelstundentakt vom Band laufen.

Quelle: The Next Web

KI-Training & Forschung

Deutschlands Supercomputer Jupiter rechnet einen Quantencomputer nach — Weltrekord aus Jülich

Am Forschungszentrum Jülich hat Jupiter, Europas erster sogenannter Exascale-Rechner (eine der schnellsten Maschinen der Welt), erstmals einen kompletten Quantencomputer mit 50 Qubits simuliert — komplett nachgebaut, ohne dass ein echter Quantenrechner danebenstand. Möglich machten das dieselben Nvidia-Superchips, die auch die großen KI-Systeme antreiben; allein der Speicher dafür umfasst rund zwei Petabyte, also zwei Millionen Gigabyte. Der bisherige Rekord lag bei 48 Qubits — und die Simulation steht jetzt auch Forschern und Firmen von außen offen.

Was bedeutet das: Echte Quantenrechner sind selten und teuer; wer ihre Möglichkeiten erproben will, muss sie meist erst auf herkömmlichen Maschinen nachbauen. Dass ausgerechnet ein deutscher KI-Rechner das so weit treibt, zeigt: Europa baut beim Höchstleistungsrechnen nicht nur mit, es stellt Rekorde auf. Für Unternehmen heißt das, Quanten-Ideen lassen sich ausprobieren, lange bevor die echte Hardware im Keller steht.

Quelle: ScienceDaily

Regeln & Recht

Indiens Oberster Gerichtshof nimmt die KI an die kurze Leine

Indiens höchstes Gericht hat einen Entwurf für Regeln zum KI-Einsatz an Gerichten vorgelegt und sammelt dazu bis zum 20. Juni öffentliche Rückmeldungen. Der Kern: Die KI darf nur assistieren, niemals entscheiden — ein Urteil darf nicht allein auf dem Spruch eines Algorithmus beruhen. Anwälte müssen außerdem offenlegen, wenn sie für Schriftsätze, Beweise oder Recherche KI-Werkzeuge benutzt haben.

Was bedeutet das: Während Europa und China an großen KI-Gesetzen feilen, setzt Indien zuerst dort an, wo es am heikelsten ist — beim Richterstuhl. Die Botschaft ist klar: Der Mensch fällt das Urteil, die Maschine reicht höchstens die Akten an. Für jeden, der vor Gericht steht, ist das eine beruhigende Klarstellung — und ein Vorbild, das andere Länder noch beschäftigen wird.

Quelle: LawBeat

Jobs & Geld

GitLab streicht 350 Stellen für das „agentische" KI-Zeitalter

Der Software-Anbieter GitLab hat im Juni rund 350 Stellen gestrichen und begründet das offen mit dem Umbau auf das „agentische KI-Zeitalter" — gemeint sind eigenständig arbeitende KI-Programme, die Aufgaben selbst erledigen, statt nur Fragen zu beantworten. GitLab steht damit nicht allein: Seit Januar wurden im US-Techsektor über 128.000 Stellen abgebaut, und rund 60 Prozent dieser Kürzungen werden direkt der KI zugeschrieben, nicht der schwachen Konjunktur.

Was bedeutet das: „Agentisch" klingt nach Zukunftsmusik, heißt im Personalbüro aber schlicht: Software übernimmt Arbeit, für die gestern noch Menschen bezahlt wurden. Eine Studie des Marktforschers Forrester rechnet damit, dass die Hälfte dieser KI-Kündigungen still wieder rückgängig gemacht wird — nur eben im Ausland und zu niedrigerem Lohn. Wer im Tech-Job sitzt, sollte die Schlagworte der eigenen Chefetage künftig sehr genau lesen.

Quelle: HR Executive

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Während die einen Roboter im Viertelstundentakt vom Band rollen lassen und die anderen ihre nächste KI aus Versehen ins Netz tropfen, trinke ich in aller Ruhe meinen zweiten Espresso — irgendwer muss ja den Überblick behalten.

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