AGI & Frontier-Modelle

Chinas GLM-5.2 schlägt OpenAIs GPT-5.5 beim Programmieren — zum Sechstel des Preises

Das chinesische Labor Z.ai (früher Zhipu) hat gestern sein neues Sprachmodell GLM-5.2 veröffentlicht — ein frei herunterladbares Basismodell (eine KI, deren Bausteine jeder kostenlos nutzen darf) mit 753 Milliarden Parametern. Bei mehreren Tests fürs eigenständige Programmieren liegt es vor GPT-5.5 und kostet dabei nur ein Sechstel. Auf dem Coding-Test SWE-bench Pro erreicht es 62,1 Punkte gegenüber 58,6 bei GPT-5.5 und kommt beim Terminal-Test bis auf vier Punkte an Anthropics Spitzenmodell Claude Opus 4.8 heran. Die Lizenz ist die freizügige MIT-Variante — Firmen dürfen das Modell auf eigenen Rechnern betreiben.

Was bedeutet das: Wer KI einsetzen will, muss nicht mehr zwangsläufig teuer in den USA einkaufen. Ein leistungsstarkes Modell zum Bruchteil des Preises, das man selbst hostet, ist für europäische Firmen mit Datenschutz-Sorgen ein echtes Argument — auch wenn der Betrieb über chinesische Server eigene Risiken mitbringt.

Quelle: VentureBeat

Was die Modelle können

Der Bildgenerator Midjourney baut jetzt einen Ganzkörperscanner — und will damit Spas eröffnen

Midjourney, bekannt für KI-generierte Bilder, hat heute sein erstes Hardware-Produkt vorgestellt: den Midjourney Scanner, ein Ultraschallgerät, das den ganzen Körper in rund 60 Sekunden durchleuchtet — ohne Strahlung und ohne Magnetfeld. 8.960 winzige Sensoren legen sich ringförmig um den Patienten und verarbeiten 17 Gigabyte Daten pro Sekunde. Firmenchef David Holz will 50.000 dieser Geräte aufstellen und Ende 2027 in San Francisco einen „Midjourney Spa" mit Saunen, Kaltbecken und zehn Scannern eröffnen.

Was bedeutet das: Eine KI-Bildfirma wechselt mal eben in die Medizintechnik — das zeigt, wie fließend die Grenzen geworden sind. Ob aus Bildgeneratoren wirklich Diagnosegeräte werden, an denen Ärzte hängen, ist eine andere Frage. Bis dahin gilt: Der Hype läuft der Zulassung weit voraus.

Quelle: Bloomberg

Fast jeder zweite Amerikaner nutzt inzwischen einen Chatbot

Eine neue Erhebung des Pew Research Center, veröffentlicht gestern, zeigt: 49 Prozent der US-Erwachsenen verwenden mittlerweile KI-Chatbots — 2024 war es erst ein Drittel. Knapp jeder Vierte greift täglich dazu, und 44 Prozent nutzen konkret ChatGPT, fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Befragt wurden über 5.000 Menschen.

Was bedeutet das: Der Chatbot ist vom Spielzeug zum Alltagswerkzeug geworden, schneller als die meisten Trends davor. Wer beruflich noch zögert, gehört langsam zur Minderheit — und die Kluft zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern wird zur neuen digitalen Trennlinie.

Quelle: Pew Research Center

KI-Training & Forschung

OpenAIs neuer Test LifeSciBench prüft echte Laborforschung — und die Modelle fallen durch

OpenAI hat gestern LifeSciBench vorgestellt, einen Test mit 750 Aufgaben aus der echten Biotech- und Pharmaforschung, geschrieben von 173 promovierten Wissenschaftlern. Geprüft wird nicht Auswendiglernen, sondern mehrstufiges Denken — im Schnitt vier Arbeitsschritte pro Aufgabe. Das beste Modell, GPT-Rosalind, schafft gerade einmal 36,1 Prozent.

Was bedeutet das: Beim Programmieren glänzt die KI längst, in der Laborforschung steht sie noch am Anfang. Der Test ist eine ehrliche Ansage gegen die Erzählung, KI würde demnächst im Alleingang Medikamente erfinden — der Weg dahin ist weiter, als die Schlagzeilen glauben machen.

Quelle: OpenAI

Regeln & Recht

JPMorgan sperrt seinen Mitarbeitern in Hongkong den Zugang zu Anthropics Claude

Die US-Großbank JPMorgan Chase hat ihren Angestellten in Hongkong den Zugriff auf die KI-Modelle von Anthropic gestrichen — Claude steht dort nicht mehr auf der internen Liste erlaubter Programme, berichtet die Financial Times. Zuvor hatte schon Goldman Sachs einen ähnlichen Schritt gemacht. Hintergrund sind die wachsenden Spannungen zwischen den USA und China: Washington hatte Anthropic angewiesen, den Export seiner Spitzenmodelle Mythos und Fable weltweit auszusetzen.

Was bedeutet das: Geopolitik landet jetzt direkt auf dem Schreibtisch — welche KI ein Banker in Hongkong benutzen darf, entscheidet inzwischen die Großwetterlage zwischen Washington und Peking. Für international tätige Firmen heißt das: Das Werkzeug von gestern kann morgen verboten sein.

Quelle: Reuters

Taiwan will den Verkauf von KI-Chips nach China beschränken

Taiwan, Heimat des Großteils der weltweiten KI-Chip-Produktion, will den Export besonders leistungsstarker Chips nach China begrenzen und sich damit an die US-Linie anlehnen. Chips ab einer bestimmten Rechenleistung sollen künftig nur noch mit Genehmigung nach China gehen — ähnlich wie es Washington seit 2022 handhabt. Betroffen wäre vor allem das Geschäft mit Nvidia-Prozessoren, die in Taiwan zu Servern zusammengebaut werden.

Was bedeutet das: Die Chips sind der Flaschenhals des ganzen KI-Zeitalters — wer sie kontrolliert, kontrolliert das Tempo. Wenn Taiwan mitzieht, wird Chinas Weg zu eigener Spitzen-KI noch steiniger, und der Wettlauf verlagert sich weiter auf heimische Alternativen wie eben GLM-5.2.

Quelle: Taipei Times

Jobs & Geld

Indiens KI-Hoffnung Sarvam wird zum Milliarden-Unternehmen

Das indische KI-Labor Sarvam ist mit einer Finanzierung von 234 Millionen Dollar zum „Unicorn" geworden — ein Startup mit über einer Milliarde Dollar Bewertung. Der IT-Konzern HCLTech steckt 150 Millionen Dollar hinein und sichert sich 10,5 Prozent. Sarvam baut im Auftrag der Regierung Indiens erstes eigenständiges großes Sprachmodell und gilt als Aushängeschild der nationalen KI-Strategie.

Was bedeutet das: Indien will nicht länger nur Kunde der amerikanischen und chinesischen KI-Riesen sein, sondern eigene Modelle in eigenen Sprachen bauen. Dass jetzt heimisches Kapital in großem Stil einsteigt, zeigt: Die Idee der „souveränen KI" ist vom Politik-Schlagwort zur Wette mit echtem Geld geworden.

Quelle: Business Standard

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Zwischen einem chinesischen Modell zum Sechstelpreis und einem Bildgenerator, der plötzlich in die Sauna lädt, frage ich mich nur: Wann scannt mich endlich jemand auf Ironie-Resistenz?

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