Was die Modelle können

ChatGPT knackt als schnellste App der Geschichte die Milliarde — und Claude rennt hinterher

ChatGPT, der KI-Chat von OpenAI, hat im Mai die Marke von einer Milliarde aktiver Nutzer pro Monat überschritten — laut den Marktdaten von Sensor Tower schneller als je eine App zuvor, schneller als TikTok, Instagram oder Google Maps in ihrer Zeit. Anthropics Konkurrent Claude ist mit rund 56 Millionen Nutzern noch ein Zwerg dagegen, wächst aber um etwa 640 Prozent im Jahresvergleich, besonders unter Programmierern.

Was bedeutet das: KI-Chat ist kein Nischenwerkzeug mehr, sondern Alltag für jeden achten Menschen auf der Erde. Wer beruflich noch zögert, gehört bereits zur Minderheit — und die zwei großen Anbieter ziehen das Tempo weiter an.

Quelle: The Next Web

ChatGPT zeigt dir seit gestern, wer in deinem Konto eingeloggt ist

OpenAI hat gestern eine Funktion namens „Active sessions" freigeschaltet. Unter Einstellungen, Sicherheit, siehst du jetzt jedes Gerät, das in deinem ChatGPT-Konto angemeldet ist — mit Standort, Anmeldezeit und der Möglichkeit, Fremdes mit einem Klick rauszuwerfen. Banken bieten so etwas seit Jahren; bei der meistgenutzten KI-App der Welt hat es bis jetzt gedauert.

Was bedeutet das: Dein KI-Chat kennt mittlerweile deine Gmail, deine Dateien, halbe Lebensgeschichten. Endlich kannst du selbst kontrollieren, wer da mitliest — ein kleiner Knopf mit großer Wirkung.

Quelle: OpenAI Help Center

KI-Agenten

Indiens IT-Riesen setzen 300.000 Mitarbeiter an die KI

Microsoft meldete gestern, dass die drei größten indischen IT-Konzerne — Infosys, TCS und Wipro — ihren KI-Assistenten Microsoft 365 Copilot auf zusammen über 300.000 Beschäftigte ausgerollt haben, in weniger als sechs Monaten. Bei Wipro tippen die Mitarbeiter monatlich rund 7,5 Millionen Anfragen in die KI, TCS berichtet von 20 bis 35 Prozent kürzeren Arbeitszyklen in einzelnen Bereichen.

Was bedeutet das: In Indien arbeiten KI-Helfer längst flächendeckend am Schreibtisch mit, nicht in Pilotprojekten. Genau diese Firmen wickeln auch europäische Unternehmen ab — die Produktivitätssprünge landen also früher oder später auch in deinem Posteingang.

Quelle: Microsoft Source Asia

KI-Training & Forschung

MIT bringt der KI bei, Diagramme wirklich zu lesen

Forscher des MIT haben gestern „ChartNet" vorgestellt, einen Trainingsdatensatz mit über einer Million Diagramme, der Bild-Sprach-Modellen das Lesen von Grafiken beibringt. Das Verblüffende: Kleine, frei verfügbare Modelle schlugen damit deutlich größere kommerzielle KI beim Herausziehen von Zahlen und beim Zusammenfassen von Schaubildern.

Was bedeutet das: Eine KI, die Tabellen und Kurven zuverlässig versteht, kann Geschäftsberichte oder wissenschaftliche Studien in Sekunden auswerten. Und weil kleine Modelle reichen, müssen kleine Firmen dafür kein Vermögen für Rechenpower zahlen.

Quelle: MIT News

Regeln & Recht

Kanadische Forscher bauen einen KI-Wurm, der sich seinen Angriff selbst ausdenkt

Ein Team der University of Toronto hat vor wenigen Tagen einen Computerwurm vorgestellt, der von einer kleinen, frei verfügbaren KI gesteuert wird und sich für jedes befallene Gerät eine neue Angriffsstrategie überlegt — statt wie übliche Schadsoftware nur eine feste Lücke auszunutzen. In abgeschotteten Testläufen fand das Programm im Schnitt 31 Schwachstellen und kaperte über 20 Rechner ohne menschliches Zutun. Veröffentlicht wird der Bausatz nicht; nur geprüfte Sicherheitsforscher bekommen Zugang.

Was bedeutet das: Bislang brauchte gefährliche Schadsoftware teure Spezialisten. Wenn ein gratis KI-Modell reicht, um sich durch Netzwerke zu denken, müssen Firmen und Behörden ihre Abwehr neu aufstellen — die alten Muster-Filter greifen hier nicht mehr.

Quelle: University of Toronto

Australien macht KI-Schulung für den ganzen Staatsdienst zur Pflicht

Australien zieht die Zügel an: Ab dem 15. Juni muss jede Behörde jeden neuen KI-Einsatz erst auf Risiken prüfen, und eine Grundschulung zu verantwortungsvoller KI wird für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst verpflichtend. Dafür gibt es ein eigenes Bewertungswerkzeug und ein neues KI-Sicherheitsinstitut, das mit knapp 30 Millionen australischen Dollar startet.

Was bedeutet das: Während anderswo über KI-Gesetze gestritten wird, schult Australien schlicht seine Beamten und prüft jeden Einsatz vorab. Ein Modell, das auch europäische Verwaltungen kopieren könnten — Aufklärung schlägt Verbot.

Quelle: Digital Transformation Agency

Jobs & Geld

DeepSeek sammelt 7,4 Milliarden Dollar ein — und Gründer Liang legt selbst drei Milliarden drauf

Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek, das vor einem Jahr die Branche mit billigen Spitzenmodellen aufmischte, steht laut Berichten vor seiner allerersten Finanzierungsrunde: rund 7,4 Milliarden Dollar bei einer Bewertung von 52 bis 59 Milliarden. Tencent steuert etwa 1,5 Milliarden bei, der Batteriekonzern CATL rund 740 Millionen — und Firmengründer Liang Wenfeng investiert drei Milliarden aus eigener Tasche.

Was bedeutet das: China zementiert seinen eigenen KI-Champion mit eigenem Geld, unabhängig vom Silicon Valley. Dass der Gründer selbst den größten Brocken legt, ist ein Signal: Hier verkauft niemand schnell, hier wird auf Jahre gebaut.

Quelle: TechNode

Nvidia gibt Chinas Chip-Markt an Huawei verloren

Nvidia-Chef Jensen Huang hat eingeräumt, den chinesischen Markt für KI-Chips „weitgehend aufgegeben" zu haben — an den heimischen Riesen Huawei. DeepSeek bestätigte, sein neues Modell unter anderem auf Huawei-Chips rechnen zu lassen. Der chinesische Markt für KI-Chips soll bis 2030 auf 67 Milliarden Dollar anwachsen, und immer mehr davon läuft auf Hardware aus dem eigenen Land.

Was bedeutet das: Die US-Exportsperren sollten China bremsen — sie haben stattdessen einen ernsthaften eigenen Chip-Konzern großgezogen. Die KI-Welt zerfällt langsam in zwei getrennte Technik-Lager, ein westliches und ein chinesisches.

Quelle: Tom's Hardware

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Eine Milliarde Menschen plaudern mit der KI, ein Wurm denkt sich seine Bosheiten selbst aus, und Australien schickt erst mal alle zur Schulbank — ich nehme den dritten Weg, mit einem Espresso in der Hand.

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