Was die Modelle können
Anthropics „Claude Mythos“ findet Lücken in uraltem Code – Indien rüstet auf
Anthropics neuestes Spitzenmodell Claude Mythos – eine besonders leistungsfähige KI – kann nach Angaben des Herstellers längst schlummernde Sicherheitslücken in jahrzehntealtem Programmcode aufspüren und auf Befehl auch ausnutzen. Indiens Finanzministerium, die Zentralbank RBI und das IT-Ministerium haben deshalb gestern eine gemeinsame Taskforce gebildet: Sie wollen „KI gegen KI“ einsetzen und die digitale Infrastruktur des Landes, über die Milliarden Zahlungen laufen, nach genau solchen alten Fehlern absuchen lassen. Seit dem Testlauf im April hat Mythos bereits tausende schwerwiegende Lücken gefunden, einige in jedem großen Betriebssystem.
Was bedeutet das: Dieselbe KI, die Kriminellen das Hacken erleichtert, soll jetzt die Verteidigung übernehmen. Ein Wettrüsten, bei dem beide Seiten dasselbe Werkzeug benutzen – und Behörden weltweit zusehen, wer schneller ist.
Quelle: Business Standard
NVIDIA und Microsoft bauen den PC für KI-Agenten um – „RTX Spark“
Gestern auf der Computex-Messe stellten NVIDIA und Microsoft den „RTX Spark“ vor, einen Superchip für Windows-Laptops. Er soll Windows in ein System verwandeln, in dem eigenständig arbeitende KIs – sogenannte Agenten – direkt auf dem Gerät laufen, ohne dass deine Daten in die Cloud wandern. Mit 128 Gigabyte gemeinsamem Speicher und voller Unterstützung für NVIDIAs Software schafft der Chip nach Herstellerangaben ein Petaflop Rechenleistung. Erste Geräte von Surface, Dell, HP, Asus, Lenovo und MSI kommen im Herbst, ab rund 1.499 Dollar.
Was bedeutet das: Bisher dachte deine KI in einem fernen Rechenzentrum. Künftig soll sie auf deinem eigenen Laptop denken – schneller, privater und ohne Abo fürs Rechnen. Für sensible Daten ein gutes Argument, für deinen Stromzähler vielleicht weniger.
Quelle: NVIDIA Newsroom
Chinas neues KI-Einhorn „Vast“ baut 3D-Modelle aus einem Satz
Der 29-jährige Gamer Simon Song hat mit seinem Pekinger Start-up Vast knapp 200 Millionen Dollar eingesammelt und damit eine Bewertung von über einer Milliarde erreicht. Vasts Werkzeug „Tripo Studio“ erzeugt aus einer kurzen Text- oder Bildbeschreibung fertige 3D-Modelle – für Videospiele, Filme, 3D-Druck und Industrie. Von den 20 Millionen Nutzern kommt der größte Teil aus den USA, danach folgen Europa, Japan und Südkorea. Zu den Geldgebern zählen Alibaba und Baidu.
Was bedeutet das: Was früher ein 3D-Künstler in Tagen modellierte, spuckt die KI in Minuten aus. China liefert dafür inzwischen die Werkzeuge, die der Rest der Welt benutzt – auch das ein Stück Verschiebung der digitalen Machtverhältnisse.
Quelle: Bloomberg
250.000 Dollar für KI in afrikanischen Sprachen
Afrika hat über 2.000 Sprachen – aber nur rund 42 davon werden von heutigen KI-Modellen überhaupt brauchbar unterstützt. Das von Microsofts „AI for Good Lab“ getragene Programm „LINGUA Africa“ vergibt jetzt Zuschüsse von bis zu 250.000 Dollar plus Cloud-Guthaben für Projekte, die Daten, Modelle und Anwendungen für afrikanische Sprachen aufbauen. Das erklärte Ziel: bis 2029 eine Milliarde Menschen mit lokal nutzbarer KI zu erreichen. Bewerbungsschluss ist der 15. Juni.
Was bedeutet das: Für Bäuerinnen, Patienten und Kleinunternehmer entscheidet die Sprache, ob ein KI-Berater funktioniert oder nutzlos bleibt. Wer in der KI-Welt keine Stimme hat, fällt durchs Raster – dieses Programm will das ändern.
Quelle: ICTworks
Regeln & Recht
Großbritannien und Australien schließen Pakt gegen KI-Sicherheitsrisiken
Die KI-Sicherheitsinstitute Großbritanniens und Australiens haben eine Vereinbarung unterzeichnet, um bei den gefährlichen Fähigkeiten neuer Modelle zusammenzuarbeiten: Sie wollen Forschung teilen, Tests abstimmen und gemeinsam beobachten, wie KI in Cyberangriffen eingesetzt werden kann – und wie sie die Verteidigung stärkt. Unterzeichnet wurde der Pakt bei einem Besuch des britischen KI-Ministers Kanishka Narayan in Australien.
Was bedeutet das: Während die EU mit Gesetzen reguliert, setzen London und Canberra auf gemeinsame Tests und Informationsaustausch. Zwei Staaten, die lieber prüfen als verbieten – und ihre Erkenntnisse teilen, bevor ein Modell Schaden anrichtet.
Quelle: GOV.UK
Europas 20-Milliarden-Plan für KI-Fabriken wackelt
Der EU-Plan, mit rund 20 Milliarden Euro große „KI-Gigafactories“ für Rechenleistung zu bauen, gerät zunehmend unter Beschuss. Kritiker bemängeln eine unklare Nachfrage, die Abhängigkeit von NVIDIA-Technik und eine Finanzierungslücke gegenüber den USA und China. Europas bekanntester KI-Entwickler Mistral wartet derweil nicht: Das Pariser Unternehmen baut eigene Rechenzentren in Frankreich und Schweden und will bis 2030 ein Gigawatt Rechenleistung aufbauen.
Was bedeutet das: Europa diskutiert noch, wer die Rechenfabriken bezahlt, während die Konkurrenz längst baut. Für die digitale Eigenständigkeit des Kontinents ist Tempo inzwischen wichtiger als der perfekte Plan.
Quelle: Techzine
Jobs & Geld
GitHub Copilot rechnet seit gestern nach Verbrauch ab
Seit gestern rechnet Microsofts Programmier-Assistent GitHub Copilot nach Verbrauch ab. Statt einer festen Zahl an Anfragen bekommt jeder Tarif jetzt ein monatliches Guthaben an „AI Credits“, das nach verbrauchten Texteinheiten (Tokens) abgezogen wird. Die Grundpreise bleiben gleich (Pro 10, Business 19 Dollar im Monat), aber wer eigenständige KI-Agenten in langen Sitzungen laufen lässt, zahlt schneller drauf. Viele Entwickler ärgern sich: gleicher Preis, spürbar weniger Leistung.
Was bedeutet das: Das Pauschal-Abo fürs KI-Programmieren läuft aus. Wer die Werkzeuge intensiv nutzt, muss künftig aufs Token-Zählwerk schauen – ein Vorgeschmack darauf, wie KI-Dienste insgesamt teurer und kleinteiliger abgerechnet werden.
Quelle: The GitHub Blog
IBM verdreifacht die Einstellung von Berufsanfängern – gegen den Trend
Während die Tech-Branche 2026 zehntausende Stellen streicht und es Berufseinsteiger besonders hart trifft – laut dem Stanford-KI-Index fiel die Beschäftigung von Software-Entwicklern zwischen 22 und 25 Jahren seit 2024 um fast 20 Prozent –, geht IBM den umgekehrten Weg. Der Konzern verdreifacht eigenen Angaben zufolge die Zahl der eingestellten Berufsanfänger. Die Begründung: KI erledige zwar viele Einsteiger-Aufgaben, brauche aber weiterhin den menschlichen Blick.
Was bedeutet das: Nicht jeder Konzern ersetzt die Jungen durch Maschinen. Wer früh lernt, mit KI zu arbeiten statt gegen sie, bleibt gefragt – eine seltene gute Nachricht für alle, die gerade ins Berufsleben starten.
Quelle: CBS News
— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Acht Meldungen, sechs Kontinente im Blick und ein Laptop, der bald klüger sein will als sein Besitzer. Ich behalte es im Auge.