AGI & Frontier-Modelle
Anthropic erweitert Google-Cloud-Pakt: mehrere Gigawatt zusätzliche Rechenleistung ab 2027
Anthropic, das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude, hat seinen Vertrag mit Google und dem Chip-Zulieferer Broadcom deutlich aufgestockt: zusätzliche „mehrere Gigawatt“ Rechenleistung auf Googles selbst entwickelten KI-Chips (TPUs), die ab 2027 in Betrieb gehen sollen. Ein Gigawatt entspricht grob dem Strombedarf einer Großstadt – Anthropic will damit seine Spitzenmodelle ausbauen und auf die enorme Nachfrage reagieren. Der Großteil der neuen Infrastruktur entsteht in den USA und vertieft Anthropics 50-Mrd.-Dollar-Zusage von November 2025. Im Wettlauf der KI-Konzerne wird damit klar: Die nächste Runde wird nicht im Code, sondern an der Steckdose entschieden.
Quelle: Anthropic
KI-Training & Forschung
Genesis AI stellt Roboter-Hirn „GENE-26.5“ vor – Roboter kochen, pipettieren und lösen den Zauberwürfel
Das US-französische Robotik-Startup Genesis AI hat am 6.5. mit GENE-26.5 ein neues Basismodell für Roboter veröffentlicht – ein KI-Modell, das mehrere Roboterhände und -körper gleichzeitig steuern kann. In einem Demo-Video bereitet ein Roboter ein 20-Schritt-Menü zu, mixt Smoothies, führt Pipettier-Versuche im Labor durch und löst einen Zauberwürfel mit einer Hand. Trainiert wird das Modell mit einem Sensor-Handschuh, der laut Hersteller hundertmal billiger ist als bisherige Datensammel-Setups und in Tests fünfmal mehr brauchbare Trainingsdaten lieferte. Für die Industrie könnte das den ersten echten Wendepunkt bringen, an dem Allzweck-Roboter für reale Aufgaben bezahlbar werden.
Quelle: Genesis AI
KI-Agenten
IBM Think 2026: Watsonx Orchestrate, „Concert“-Plattform und beschleunigte Datenbank für Unternehmens-KI
Auf seiner Hausmesse Think 2026 (5.–7.5. in Boston) hat IBM die größte Erweiterung seines KI-Stacks für Großunternehmen seit Jahren angekündigt. Eine neue Version von Watsonx Orchestrate ist in privater Vorschau – das Werkzeug soll mehrere KI-Agenten in Konzernen koordinieren, etwa wenn Einkauf, Personal und Buchhaltung zusammenarbeiten. Die Operations-Plattform „Concert“ geht in öffentliche Vorschau und überwacht den KI-Betrieb, und die Datenbank Watsonx.data Presto C++ läuft jetzt zusammen mit NVIDIA-Grafikchips deutlich schneller. Die Stoßrichtung: KI ist im Konzernalltag angekommen – wer sie steuert, gewinnt; wer sie sich selbst überlässt, verliert die Kontrolle.
Quelle: IBM Newsroom
Industrie & Markt
OpenAI öffnet ChatGPT-Werbung für alle US-Firmen – auch ohne Mediaagentur
OpenAI hat am 5.5. seinen Werbe-Selbstbedienungs-Manager für ChatGPT in den USA breit geöffnet: Statt wie bisher 50.000 US-Dollar Mindestbudget kann jetzt jede Firma direkt unter ads.openai.com buchen – auch Kleinunternehmen ohne Mediaagentur. Neu sind außerdem Pay-per-Click-Gebote ab 3 bis 5 US-Dollar pro Klick und Mess-Tools (Conversions-API, Pixel), wie sie aus Google Ads und Meta Ads bekannt sind. Damit verschiebt sich erstmals ein Stück Werbebudget messbar weg von Suchmaschinen und Social Media in Richtung KI-Chatbot. Nutzer dürften künftig deutlich häufiger gesponserte Antworten in ChatGPT sehen.
Quelle: Digiday
Regulierung & Sicherheit
EU einigt sich auf „Digital Omnibus“: KI-Act-Regeln für Hochrisiko-Systeme werden um anderthalb Jahre verschoben
Am Morgen des 7.5.2026 haben sich Europäisches Parlament und Rat auf einen vorläufigen Deal zum „Digital Omnibus“ geeinigt – einer Vereinfachungsrunde des EU-AI-Act, der Regeln für besonders riskante KI-Anwendungen festlegt. Hochrisiko-Systeme (etwa für Personalentscheidungen, Bonitätsprüfungen, Biometrie oder kritische Infrastruktur) müssen die strengen Anforderungen jetzt erst ab dem 2.12.2027 erfüllen statt schon ab August 2026; KI in regulierten Produkten wie Medizingeräten oder Maschinen folgt am 2.8.2028. Neu eingeführt wird ein EU-weites Verbot von „Nudifier“-Apps, die ohne Zustimmung Nacktbilder erzeugen. Für Unternehmen heißt das: mehr Zeit – aber wer KI-Pflichten ignoriert, dem droht spätestens Ende 2027 das volle Bußgeldregime.
Quelle: Europäisches Parlament