AGI & Frontier-Modelle
Andrej Karpathy wechselt zu Anthropic – KI-Mitgründer von OpenAI verstärkt Claude-Forschung
Anthropic, das US-Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude, hat am 19.5. bekannt gegeben, dass Andrej Karpathy zum Team stößt – einer der prominentesten KI-Forscher weltweit, OpenAI-Mitgründer und ehemaliger Leiter der Autopilot-Entwicklung bei Tesla. Karpathy soll laut Anthropic und Berichten von Axios und CNBC eine neue Initiative leiten, in der Claude beim eigenen Vortraining (also der Grundausbildung der nächsten Modell-Generation) hilft. Der Wechsel folgt einen Tag nach dem Jury-Urteil im Musk-Prozess gegen OpenAI und parallel zur 30-Milliarden-Dollar-Runde, die Anthropic auf 900 Milliarden Dollar Bewertung gehoben hat. Was bedeutet das: Im Rennen um die führenden KI-Köpfe verschiebt sich das Gewicht weiter weg von OpenAI – mit direkten Folgen für die Frage, welches Modell künftig in Smartphones, Office-Software und Forschungsgeräten landet.
Quelle: TechCrunch
KI-Training & Forschung
Microsoft schlägt Anthropic im KI-Hacker-Test – 100 Agenten finden mehr Lücken als ein einziges Top-Modell
Microsoft hat am 12.5. ein neues KI-Sicherheits-System namens MDASH (Kurz für „multi-model agentic scanning harness“, also einen orchestrierten Verbund aus mehr als 100 spezialisierten KI-Agenten) vorgestellt; im CyberGym-Benchmark (UC Berkeley, 1.507 echte Software-Schwachstellen aus 188 Open-Source-Projekten) erreicht es 88,45 % und setzt sich an die Spitze der Bestenliste. Dahinter liegen Anthropics Modell Mythos Preview (83,1 %) und OpenAIs GPT-5.5 (81,8 %); Microsoft hat parallel 16 neue Windows-Schwachstellen veröffentlicht, darunter vier als „kritisch“ eingestufte Lücken. Was bedeutet das: Cybersicherheit wird zum Wettbewerb zwischen KI-Modellen – wer Schwachstellen schneller findet, hat einen Vorsprung sowohl beim Schutz von IT-Systemen als auch beim potenziellen Missbrauch durch Angreifer.
Quelle: GeekWire
KI-Agenten
Google rollt „Docs Live“ aus – Gemini schreibt und überarbeitet Dokumente per Sprachbefehl
Google führt im Sommer „Docs Live“ ein, eine neue Funktion, mit der Nutzerinnen und Nutzer Texte in Google Docs nicht mehr tippen, sondern verbal „dumpen“ können: Man spricht alle Gedanken einfach in den Computer, und das Gemini-Modell formuliert daraus ein fertiges Dokument. Eine spätere Stufe soll auch das direkte Bearbeiten bestehender Texte per Stimme erlauben; analog dazu erhalten Gmail und Keep dieselben Sprachfunktionen. Die Funktion wird vorerst für zahlende Google-AI-Abonnements ausgerollt. Was bedeutet das: Tastatur-Tippen verliert weiter an Bedeutung gegenüber Diktat – das bringt Tempovorteile, wirft aber Fragen nach Datenschutz auf, weil jeder Gedanke vor der Eingabe von einer KI gehört und verarbeitet wird.
Quelle: Google Blog
Industrie & Markt
Cerebras geht mit 95-Milliarden-Dollar-Bewertung an die Börse – größter KI-Chip-IPO seit Nvidia
Der US-Chipdesigner Cerebras Systems, bekannt für seine wafergroßen KI-Chips (Halbleiter so groß wie ein Speiseteller), hat am 21.5. seinen Börsengang an der Nasdaq abgeschlossen: Schlussbewertung rund 95 Milliarden Dollar, eingeworbenes Kapital etwa 5,5 Milliarden Dollar – einer der größten Tech-IPOs des Jahres. Cerebras liefert unter anderem die Hardware für „Condor Galaxy India“ (8 Exaflop) sowie für Spitzen-KI-Labore und positioniert sich damit als ernsthafter Nvidia-Konkurrent im Bereich KI-Training. Was bedeutet das: Erstmals seit Jahren bekommt der Markt einen reinen KI-Chip-Spezialisten als börsennotierte Aktie – Anlegerinnen und Anleger können damit gezielt auf eine Alternative zu Nvidia setzen, ohne in einen Konglomerat wie Intel oder AMD investieren zu müssen.
Quelle: TBPN (Cerebras IPO recap)
Regulierung & Sicherheit
Elon Musk verliert OpenAI-Prozess: Geschworene weisen Klage in weniger als zwei Stunden ab
Am 18.5. hat eine Geschworenen-Jury in Oakland (Kalifornien) Elon Musks Klage gegen OpenAI und CEO Sam Altman in weniger als zwei Stunden abgewiesen. Begründung: Musk habe die Drei-Jahres-Frist für die Vorwürfe („Bruch eines Treuhand-Versprechens, dass OpenAI gemeinnützig bleibt“) verstreichen lassen. Richterin Yvonne Gonzalez Rogers wies parallel Musks Klage gegen Microsoft als Beihilfegeber ab und kündigte an, jeden Berufungsantrag „auf der Stelle“ zu verwerfen; Musk hat dennoch Berufung angekündigt. Was bedeutet das: Das Urteil sichert OpenAI mitten in der Markteinführung neuer Modelle juristisch ab und macht ein Auseinanderbrechen des Unternehmens unwahrscheinlich – ein Risiko weniger für Microsoft als Hauptkunde und Investor.
Quelle: CNBC