AGI & Frontier-Modelle

Apple baut Siri auf Google um – und macht endlich Schluss mit dem Bastel-Image

Gestern Abend hat Apple-Chef Tim Cook bei seiner letzten großen Bühnenshow das vorgestellt, worauf alle gewartet haben: ein komplett neues Siri. Der Sprachassistent läuft künftig auf einem maßgeschneiderten Modell von Google (Gemini), für das Apple rund eine Milliarde Dollar im Jahr zahlt – und wird zur echten Plauder-KI mit eigener App, die deine Mails, Fotos und Termine kennt und Aufgaben quer über Apps hinweg erledigt. Wem Google nicht geheuer ist, der darf in den Einstellungen auch ChatGPT oder Anthropics Claude als Motor wählen. Dazu gab es jede Menge Kleinkram: ein Siri, das deine unsicheren Passwörter mit einem Fingertipp selbst austauscht, aufgeräumte Foto- und Kamera-Funktionen und ein iOS 27, das sogar das betagte iPhone 11 noch mitnimmt.

Was bedeutet das: Der Konzern, der jahrelang so tat, als brauche er keine fremde KI, kauft sie jetzt beim direkten Konkurrenten ein – ein stilles Eingeständnis, dass Apple den KI-Zug fast verpasst hätte. Für dich heißt das: Das iPhone wird zur KI-Zentrale, in der du dir aussuchst, welcher Konzern mitdenkt.

Quelle: TechCrunch

KI-Agenten

Anthropic macht seine Claude-Agenten endlich firmentauglich

Anthropic, die Firma hinter dem Sprachmodell Claude, hat ihren eigenständig arbeitenden KIs (sogenannten Agenten, also Programmen, die Aufgaben allein erledigen) dieser Tage zwei Dinge spendiert, auf die Unternehmen lange gewartet haben: einen sicheren Tunnel ins firmeneigene Netz und eine abgeschottete Werkbank, auf der die KI fremden Programmcode laufen lassen kann, ohne dass Daten nach außen sickern. Damit darf der Agent jetzt auch dort arbeiten, wo die heiklen Firmendaten liegen, hinter der Brandschutzmauer.

Was bedeutet das: Bisher scheiterten viele KI-Projekte daran, dass die Rechtsabteilung Nein sagte. Wenn die KI das Firmennetz nicht mehr verlassen muss, fällt ein großes Gegenargument weg, und der nächste Schub Automatisierung rückt ein Stück näher an dein Büro heran.

Quelle: Releasebot

Was die Modelle können

Redrob AI: Indiens neue Job-KI spricht 30 Sprachen und kostet nichts

In Indien ist seit wenigen Tagen Redrob AI am Start, eine kostenlose KI-Plattform fürs ganze Berufsleben. Sie sucht Jobs, schreibt Lebensläufe, recherchiert, automatisiert Bürokram und hilft im Arbeitsalltag, alles unter einem einzigen Login und in mehr als 30 Sprachen, von Tamil bis Bengali. Gedacht ist sie vor allem für Berufseinsteiger und Menschen mitten im Jobwechsel.

Was bedeutet das: Während im Westen über teure KI-Abos gestritten wird, bekommt ein riesiger Teil der indischen Erwerbstätigen so etwas gratis und in der eigenen Landessprache. Wer wissen will, wo die nächste KI-Massenbewegung herkommt, schaut besser nicht nur ins Silicon Valley.

Quelle: TechGraph

Robotik

China lässt Tausende Menschen ihren Haushalt filmen, für die Roboter von morgen

Um Robotern das Wäschefalten und Schuhe-Ordnen beizubringen, fehlt weltweit eines: Übungsmaterial aus echten Wohnungen. Chinas Tech-Konzerne lösen das auf ihre Art, wie ein vielbeachteter Bericht von Rest of World von vergangenem Mittwoch zeigt: Sie bezahlen Tausende Bürger und Fabrikarbeiter dafür, sich beim Kochen, Putzen und Schrauben zu filmen. Der Online-Händler JD.com will in zwei Jahren allein 10 Millionen Stunden solcher Alltagsvideos sammeln, eine Hausfrau in Shandong filmt sich sechs Stunden täglich für umgerechnet drei Dollar die Stunde.

Was bedeutet das: Daten sind der Treibstoff für lernende Maschinen, und China baut sich gerade die größte Tankstelle der Welt, schlicht weil die Arbeit dort billig ist. Wer in fünf Jahren den fähigsten Haushaltsroboter bauen will, braucht genau dieses Material.

Quelle: Rest of World

Regeln & Recht

Und für Europa? Kein Siri AI auf iPhone und iPad – Apple gibt Brüssel die Schuld

Der Haken kam im Kleingedruckten, und er trifft genau uns: Das neue Siri kommt auf iPhone und iPad vorerst nicht in die EU, also auch nicht nach Österreich und Deutschland (die Schweiz ist als Nicht-EU-Land fein raus). Apple schiebt es auf das europäische Digitalgesetz DMA und schreibt in einer eigenen Mitteilung, Brüssel verlange eine "extreme Auslegung", nach der jede beliebige Assistenz-KI nahezu unbegrenzten Zugriff auf dein Gerät bekäme – Nachrichten lesen und senden, einkaufen, Dateien öffnen. Sein Kompromissangebot, ein abgesicherter Vermittler namens "Trusted System Agent" samt 18-Monats-Fahrplan, habe die EU-Kommission rundweg abgelehnt; einen Termin für Europa gibt es jetzt nicht. Auf Mac, Apple Watch und der Vision-Brille bekommen EU-Bürger das neue Siri hingegen schon.

Was bedeutet das: Hier prallen zwei Dinge aufeinander: Apples Sicherheitsargument hat einen wahren Kern, denn eine KI mit Vollzugriff aufs Handy ist tatsächlich ein gefundenes Fressen für Angreifer. Zugleich ist es ein altbekanntes Manöver, den eigenen Nutzern ein Glanzstück vorzuenthalten und den Schwarzen Peter nach Brüssel zu schieben. Wer in Wien oder Berlin sitzt, ist der Verlierer dieses Machtpokers, während nebenan die Mac-Nutzer dasselbe Siri ganz selbstverständlich bekommen.

Quelle: Apple Newsroom

Brasilien testet KI-Regeln im Sandkasten, statt sie nur zu verordnen

Während in Brüssel der große Stichtag für das EU-KI-Gesetz näher rückt, geht Brasilien einen anderen Weg: Die Datenschutzbehörde ANPD lässt eine Handvoll Firmen ihre KI-Projekte in einem überwachten Testfeld ausprobieren, einem sogenannten Regulatory Sandbox, in dem man Regeln erprobt, bevor sie für alle gelten. Drei KI-Firmen sind ausgewählt, das Experiment läuft noch bis Dezember 2026 und dreht sich vor allem um eine Frage: Wann muss eine KI offenlegen, wie sie zu ihrer Entscheidung kommt?

Was bedeutet das: Statt gleich mit dem dicken Gesetzbuch zu drohen, probiert Brasilien erst aus, was wirklich funktioniert. Für ein Land, das gern als KI-Vorreiter Lateinamerikas gelten will, ist das ein cleverer Zwischenweg, und ein Modell, das auch Europa noch interessieren könnte.

Quelle: ANPD

Jobs & Geld

Jede zweite Kündigung in der Tech-Branche nennt inzwischen die KI als Grund

Die jüngsten Zahlen der Kündigungs-Tracker, Stand gestern, sind unbequem: 2026 haben US-Firmen bereits rund 184.000 Stellen gestrichen, und bei 55 Prozent dieser Entlassungswellen wird ausdrücklich KI oder Automatisierung als Grund genannt. Die Personalberatung Challenger zählt knapp 50.000 direkt KI-bedingte Jobverluste; zuletzt kündigte etwa die Marketingfirma Skai an, jeden fünften Mitarbeiter zu entlassen.

Was bedeutet das: Die Frage "Nimmt mir die KI den Job weg?" ist keine Zukunftsmusik mehr, sie steht in den Quartalszahlen. Noch trifft es vor allem die Tech-Branche, aber genau dort wurde zuerst sichtbar, was später anderswo nachkommt.

Quelle: TrueUp

SpaceX geht am Donnerstag an die Börse und nimmt die KI-Schmiede xAI huckepack

Am Donnerstag legt Elon Musks Raketenfirma SpaceX den Preis für ihren Börsengang fest, gehandelt wird ab Freitag unter dem Kürzel SPCX. Mit angepeilten 75 Milliarden Dollar Erlös wäre es der größte Börsengang der Geschichte. Mit im Paket: xAI, Musks KI-Firma mit dem Chatbot Grok und dem Großrechner Colossus, ein Milliardengrab, das der Börsengang mitfinanzieren soll.

Was bedeutet das: Startet dieser Gigant gut, zieht er die ganze KI-Branche mit, Anthropic und OpenAI stehen schon in den Startlöchern. Geht er daneben, wird die Luft für die teuren KI-Versprechen schlagartig dünner. Donnerstag ist also auch ein Stimmungstest für die gesamte Branche.

Quelle: Build Fast with AI

Lagos bekommt Westafrikas erstes KI-taugliches Rechenzentrum

In Lagos ist Ende Mai mit dem Campus von Kasi Cloud das erste hyperscale-fähige, KI-taugliche Rechenzentrum Westafrikas ans Netz gegangen und wird gerade hochgefahren. Auf vier Hektar im Stadtteil Lekki soll die Anlage langfristig auf 100 Megawatt Rechenleistung wachsen, direkt neben den Seekabeln, die Afrika mit der Welt verbinden.

Was bedeutet das: KI braucht Strom und Rechenzentren in der Nähe, sonst ruckelt alles über teure Leitungen aus Europa oder den USA. Bekommt Afrika seine eigene Rechenpower, kann der Kontinent KI endlich selbst bauen statt sie nur einzukaufen, und das ist der Unterschied zwischen Zuschauer und Mitspieler.

Quelle: TechAfrica News

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Da baut Apple das klügste Siri aller Zeiten und reicht den Europäern dazu einen Zettel: leider nicht für euch. Willkommen in der Zukunft – Eingang nur mit dem richtigen Pass.

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