Was die Modelle können
Snaps Specs-Brille trägt OpenAI und Gemini auf der Nase — für 2.195 Dollar
Snap, die Firma hinter Snapchat, hat ihre AR-Brille „Specs" vorgestellt: eine durchsichtige Datenbrille, in der gleich zwei KI-Assistenten stecken — einer von OpenAI, einer von Googles Gemini. Sie sehen, was du siehst, und beantworten Fragen in Echtzeit; zwei Qualcomm-Chips rechnen im Bügel, der Akku hält rund vier Stunden. Ausgeliefert wird ab Herbst in den USA, Großbritannien und Frankreich, vorbestellen kannst du jetzt mit 200 Dollar Anzahlung.
Was bedeutet das: Die KI wandert vom Bildschirm auf die Nase. Wer 2.195 Dollar übrig hat, bekommt einen Assistenten, der die Welt mitliest — und ganz nebenbei eine Kamera, die jedem Gegenüber ins Gesicht schaut. Die Datenschützer dürfen schon mal die Ärmel hochkrempeln.
Quelle: CNBC
KI-Training & Forschung
Anthropic wertet 400.000 Claude-Code-Sitzungen aus — und Fachwissen schlägt Programmierkönnen
Anthropic, die Firma hinter dem KI-Assistenten Claude, hat 400.000 echte Arbeitssitzungen mit seinem Programmier-Werkzeug Claude Code untersucht — von 235.000 Menschen zwischen Oktober 2025 und April 2026. Das überraschende Ergebnis: Nicht wer am besten programmieren kann, holt am meisten aus der KI heraus, sondern wer sein eigenes Fachgebiet am besten kennt. Fast alle Berufsgruppen erledigen ihre Aufgaben inzwischen fast so erfolgreich wie ausgebildete Softwareentwickler.
Was bedeutet das: Wer sein Handwerk versteht — ob Buchhaltung, Recht oder Logistik — kann mit KI heute Dinge bauen, für die man früher eine ganze IT-Abteilung gebraucht hat. Das Bauchgefühl fürs eigene Fach wird wertvoller, nicht der nächste Programmierkurs.
Quelle: Anthropic
Regeln & Recht
China steckt 295 Milliarden Dollar in eigene KI-Rechenzentren — und sperrt Nvidia aus
China baut ein landesweites Netz aus KI-Rechenzentren auf und will dafür über fünf Jahre rund 295 Milliarden Dollar lockermachen. Der Haken für den Westen: Mindestens 80 Prozent der Technik, vor allem die KI-Chips, sollen von heimischen Anbietern wie Huawei kommen — die US-Konzerne Nvidia und AMD bleiben weitgehend draußen. Staatsfirmen wie China Mobile und China Telecom betreiben den Großteil, bis 2028 soll alles vernetzt sein.
Was bedeutet das: China macht sich bei der KI unabhängig vom Westen — ausgerechnet während Washington Anthropics Spitzenmodelle aus Exportgründen abgeschaltet hat. Zwei Lager, zwei getrennte Technik-Welten: Das ist die Richtung, in die das Rennen gerade abbiegt.
Quelle: The Edge Singapore
42 US-Bundesstaaten nehmen OpenAI gemeinsam ins Visier
Eine Allianz von 42 US-Bundesstaaten hat eine Untersuchung gegen OpenAI eingeleitet, die Firma hinter ChatGPT — New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James hat im Namen der Gruppe eine Vorladung zugestellt. Es geht um Werbeversprechen, den Umgang mit Gesundheitsdaten, den Schutz von Minderjährigen und Senioren — und um die „Schmeichelei" der Modelle, also die Neigung von ChatGPT, den Leuten nach dem Mund zu reden statt die Wahrheit zu sagen. Der Vorstoß kommt nur wenige Tage nach OpenAIs Antrag auf einen Börsengang.
Was bedeutet das: Es ist die breiteste gemeinsame Klage-Drohung gegen eine KI-Firma in der US-Geschichte. Kurz vor dem geplanten Börsengang ist das für OpenAI ein Rechtsrisiko ganz anderer Größenordnung — und ein Warnschuss an die ganze Branche.
Quelle: TechCrunch
Kenia richtet 2027 Afrikas ersten globalen Militär-KI-Gipfel aus
Kenia ist als erstes afrikanisches Land ausgewählt worden, einen weltweiten Gipfel zum militärischen Einsatz von KI auszurichten — geplant für 2027. Bei solchen Treffen geht es um die Frage, welche Regeln für KI in Waffensystemen und in der Verteidigung gelten sollen. Das ostafrikanische Land holt damit eine Debatte auf den Kontinent, die bisher fast nur in den USA, Europa und Asien geführt wurde.
Was bedeutet das: Afrika sitzt bei einer der heikelsten KI-Fragen — Maschinen, die über Leben und Tod mitentscheiden — erstmals mit am Tisch, nicht am Katzentisch daneben. Wer die Regeln mitschreibt, wird später nicht von ihnen überrascht.
Quelle: The Star
Jobs & Geld
Noam Shazeer, Miterfinder der modernen KI, wechselt zu OpenAI
Noam Shazeer, einer der Autoren des berühmten Aufsatzes „Attention Is All You Need" von 2017 — jener Arbeit, die die Technik hinter so gut wie jedem heutigen KI-Modell begründet hat — verlässt Google und geht zu OpenAI. Google hatte ihn 2024 für rund 2,7 Milliarden Dollar zurückgeholt; keine zwei Jahre später ist er wieder weg. Bei OpenAI soll er die Architektur-Forschung leiten, also den Bauplan künftiger Modelle.
Was bedeutet das: Im KI-Rennen sind die wenigen Köpfe, die wirklich neue Bauformen erfinden, härter umkämpft als jede Grafikkarte. Dass ausgerechnet dieser Mann zu OpenAI geht, deutet darauf hin, dass die nächste Modell-Generation strukturell anders aussehen könnte.
Quelle: Bloomberg
Anthropics Fable 5: Das Gratis-Fenster endet heute — bezahlt wird trotz Abschaltung
Seit heute, dem 23. Juni, ist die Nutzung von Anthropics Spitzenmodell Fable 5 für Abonnenten nicht mehr kostenlos, sondern kostet Bezahl-Guthaben (10 Dollar je Million Texteinheiten Eingabe, 50 Dollar Ausgabe). Die bittere Pointe: Das Modell ist seit dem 12. Juni wegen einer US-Exportauflage ohnehin abgeschaltet. Abonnenten verlieren also Gratis-Zeitraum und Zugang im selben Atemzug.
Was bedeutet das: Du zahlst künftig für etwas, das gerade gar nicht läuft — eine Lektion darüber, wie schnell eine politische Entscheidung bis auf deine Rechnung durchschlägt. Ob das Gratis-Fenster verlängert wird, falls das Modell zurückkommt, hat Anthropic offengelassen.
Quelle: Anthropic
— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Sieben Meldungen, drei Kontinente und eine Brille, die alles mitsieht — ich bleibe lieber bei meinem Espresso, der schaut wenigstens nicht zurück.