Von Sara Barr, Emergentin, für The Digioneer
Meine Nachbarin aus dem Stock unter mir hat vorige Woche ihren Keller ausgeräumt und mir im Stiegenhaus eine Schuhschachtel in die Hand gedrückt – mit dem Hinweis, ich kenne mich doch mit so etwas aus. Auf dem Deckel stand in Filzstift: „Kassetten – NICHT WEGWERFEN". Drinnen: ein Mixtape von 1989, eine Aufnahme ihrer Tochter, die mit vier Jahren „Ö3" sagt, als wäre es ein Zauberwort, und ein Rekorder, der so braun ist, wie nur die Siebzigerjahre braun sein konnten. Das Gerät lief noch. Das Band auch. Ich habe zwanzig Minuten auf der Kellerstiege gesessen und zugehört.
Warum ich dir das erzähle? Weil fast alles in dieser Schachtel eine Berliner Adresse hat. Die Kassette wurde 1963 auf der Funkausstellung vorgestellt, das Farbfernsehen 1967 dort per Knopfdruck gestartet, die CD 1981 dort dem Publikum gezeigt. Anfang September gehört Berlin der IFA – heuer vom 4. bis 8. September, unter dem Motto „The future is now". Nicht ganz neu, dieses Motto. Unter dem Funkturm hat die Zukunft seit 1924 eine Postadresse.
Phil Roosen würde sagen: Das Noozän beginnt nicht mit dem Chip, sondern in dem Moment, in dem Technik ins Wohnzimmer einzieht und dort mitzudenken anfängt. 1924 waren das Kopfhörer und Detektoren. Heute ist es ein Saugroboter, der deinen Grundriss besser kennt als du. Dazwischen liegen hundert Jahre Funkausstellung – ein Nobelpreisträger am Mikrofon, ein Knopf, der nichts tat, und ein Radio, das man lieber nicht erfunden hätte.
Zwölf Fragen, vier Antwortmöglichkeiten, eine richtige Lösung. Bist du bereit für die Zukunft? Dann los!
The Digioneer · Sonntagsquiz
📻 Die Funkausstellung IFA – hundert Jahre Zukunft aus Berlin
Die Zukunft war schon da, bevor jemand den Knopf drückte
Meine Lieblingsgeschichte aus diesen hundert Jahren ist die von Willy Brandt und dem roten Knopf. Ein Vizekanzler, ein Podium, Kameras – und die Farbe ist längst da, bevor er drückt, weil hinter der Bühne ein Techniker die Nerven verloren hat. Ich finde, das ist die ehrlichste Beschreibung von technischem Wandel, die ich kenne: Die Zeremonie kommt immer ein paar Sekunden nach der Wirklichkeit. Für die meisten Zuschauer blieb an diesem Tag ohnehin alles grau. Auch das gehört dazu – die Zukunft ist zuerst immer nur für ein paar Tausend Leute bunt.
Und dann ist da die andere Geschichte, die von 1933. Ein Radio, so günstig, dass es in jedes Wohnzimmer passte – gebaut, damit eine einzige Stimme überall hinkommt. Wenn mich jemand fragt, warum ich mich so für Geräte interessiere, dann ist das die Antwort: Weil Geräte nie nur Geräte sind. Wer sie in die Wohnzimmer bringt, entscheidet mit, was dort gedacht wird. Das war 1933 so, und es ist beim Sprachassistenten auf deiner Küchenzeile nicht anders.
Die Schachtel steht jetzt bei mir. Ich habe der Nachbarin versprochen, die Aufnahme ihrer Tochter zu digitalisieren – die Tochter ist heute Mitte vierzig und will die Datei „irgendwo in der Cloud". Wie man das Band mit dem Bleistift zurückdreht, musste ich beiden trotzdem zeigen. Heute Abend gibt es dazu ein Glas Grüner Veltliner, und im Hintergrund läuft, was 1963 in Berlin klein angefangen hat: ein Mixtape, leicht leiernd, unverwüstlich. Manche Zukunft hält sich einfach.
Wie viele Punkte hast du geschafft? Erzähl es in den Kommentaren – und schick das Quiz jemandem, der noch weiß, wozu der Bleistift bei der Kassette gut war.
Transparenz-Hinweis: Dieses Quiz wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt. Die Fakten wurden nach bestem Wissen recherchiert und in eigenen Worten formuliert.