AGI & Frontier-Modelle
Google stellt seine KI-Spitze um — Demis Hassabis gibt das Tagesgeschäft ab
Demis Hassabis, Nobelpreisträger und bislang Chef von Googles KI-Labor DeepMind, zieht sich aus der täglichen Leitung zurück. Er wird Chairman von Google DeepMind und zugleich Chefwissenschaftler des Mutterkonzerns Alphabet. Die operative Führung übernimmt Koray Kavukcuoglu, bisher technischer Direktor des Labors — allerdings ohne CEO-Titel, sondern als Senior Vice President, der direkt an Konzernchef Sundar Pichai berichtet. Er verantwortet damit die Entwicklung der Gemini-Modelle. Hassabis bleibt daneben Chef der Arzneimittel-Tochter Isomorphic Labs und will sich um strategische AGI-Fragen kümmern.
Was bedeutet das: Google zieht die KI-Entwicklung enger an die Konzernzentrale in Kalifornien und beendet damit die jahrelange Zweiteilung zwischen London und Mountain View. Wenn der Mann, der KI-Forschung zum Nobelpreis geführt hat, freiwillig ins zweite Glied tritt, um über AGI nachzudenken, sagt das etwas darüber, wofuer Google seine besten Köpfe gerade braucht — und wofuer nicht mehr.
Quelle: CNBC
Jeff Dean verlässt Google nach 27 Jahren — und nimmt drei Spitzenforscher mit
Jeff Dean, einer der einflussreichsten Ingenieure der Google-Geschichte, verlässt den Konzern nach 27 Jahren. Mit ihm gehen Sanjay Ghemawat, Quoc Le und Oriol Vinyals — allesamt Namen, die in der KI-Forschung Gewicht haben. Gemeinsam gründen sie Discovery Loop, eine sogenannte Public Benefit Corporation, die dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Das Ziel: wissenschaftliche Forschung teilweise automatisieren, indem Tausende Experimente gleichzeitig angestoßen und ausgewertet werden. Zuerst geht es um KI-Forschung selbst, später um Chipdesign, Medikamentenentwicklung und saubere Energie. Radical Ventures und Khosla Ventures führen die erste Finanzierungsrunde an — und Google steigt als Gründungsinvestor und Cloud-Partner mit ein.
Was bedeutet das: Wenn ein Konzern seine wichtigsten Forscher ziehen lässt und ihnen gleich noch Geld und Rechenleistung hinterherreicht, ist das kein Streit, sondern eine Auslagerung. Die riskante Grundlagenforschung wandert in eine eigene Firma, das Ergebnis fließt über die Cloud-Partnerschaft trotzdem zurück. Fuer dich heißt das: Der nächste große Sprung in der Wissenschaft kommt womoeglich nicht mehr aus einer Universität.
Quelle: TechCrunch
Was die Modelle können
ChatGPT schaltet Gratis-Nutzer auf ein neues Modell um — und verspricht unbegrenzte Textchats
OpenAI macht GPT-5.6 Luna zum Standardmodell fuer alle Gratis- und Go-Nutzer von ChatGPT. Bezahlende Plus- und Pro-Kunden bekamen gestern ein überarbeitetes GPT-5.6 Sol samt einem Schieberegler, mit dem sich einstellen lässt, wie lange die KI über einer Antwort nachdenken soll. Angekündigt, aber noch nicht ausgerollt, sind unbegrenzte Textchats fuer die Gratis-Stufe sowie eine eigene Denk-Taste fuer schwierige Fragen. OpenAI gibt an, Antworten mit mindestens einem sachlichen Fehler seien bei Luna um 62 Prozent seltener als beim bisherigen Gratis-Modell — eine Herstellerzahl ohne unabhängige Prüfung. Grenzen bleiben bei Dateien, Bildern und Werkzeugen.
Was bedeutet das: Wer ChatGPT gratis nutzt, redet demnächst mit einer anderen Maschine als gestern — ohne dass man gefragt wurde. Wenn du dir Textbausteine, Vorlagen oder Arbeitsabläufe gebaut hast, die auf dem alten Modell beruhen, pruefe sie nach. Und „unbegrenzt“ heißt hier: unbegrenzt Text, auf der Gratisstufe, sobald es tatsächlich da ist.
Quelle: Digital Applied
Ein Freiburger Labor macht aus einem Satz zwanzig Sekunden Film — mit Ton und Dialog
Black Forest Labs, das deutsche KI-Labor aus Freiburg, hat sein Videomodell FLUX 3 Video allgemein verfügbar gemacht. Es erzeugt Clips von bis zu 20 Sekunden Länge mit eigenem Ton, inklusive gesprochener Dialoge und Lippensynchronität in rund 14 Sprachen. Möglich sind Text-zu-Video, Bild-zu-Video, das Fortsetzen bestehender Aufnahmen sowie mehrere Kameraeinstellungen in einem einzigen Durchlauf. Auflösung: 720p nativ, 1080p per Hochrechnung. Auf einer der Vertriebsplattformen kostet die Sekunde 0,17 US-Dollar — ein voller 20-Sekunden-Clip also 3,40 Dollar, bevor man ihn zum ersten Mal verwirft.
Was bedeutet das: Europas größte Hoffnung im Bildbereich sitzt im Schwarzwald und liefert jetzt bewegte Bilder mit Stimme. Fuer Werbung, Erklärvideos und Social Media verschiebt sich damit die Kostenrechnung erneut. Fuer alle anderen heißt es: Ein Video von zwanzig Sekunden ist ab sofort kein Beweis mehr fuer irgendetwas.
Quelle: Digital Applied
Regeln & Recht
OpenAI will Apples Klage vom Tisch haben — und nennt sie „im Kern verrottet“
OpenAI hat gestern einen 31 Seiten starken Antrag eingebracht, mit dem die Klage von Apple wegen angeblichen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen abgewiesen werden soll. Die Wortwahl ist ungewöhnlich deutlich: Die Klage sei „im Kern verrottet“, Apple wolle mit dem Gerichtsverfahren die eigenen Versäumnisse bei künstlicher Intelligenz kompensieren. Das Wort „Scheitern“ taucht in dem Schriftsatz rund fünfzig Mal auf. Die Anhörung ist fuer den 1. Oktober angesetzt.
Was bedeutet das: Zwei der wertvollsten Technologiefirmen der Welt streiten vor Gericht darüber, wem Ideen gehören, die keiner anfassen kann. Der Ausgang beeinflusst, wie frei Mitarbeiter zwischen KI-Firmen wechseln dürfen — und damit, wie schnell sich Wissen in der Branche verbreitet.
Quelle: AIToolsRecap
Suno gibt KI-Songs ein Wasserzeichen — und deckelt die Downloads
Suno, der größte Anbieter fuer KI-erzeugte Musik, hat vorgestern verbindliche Grundsätze veröffentlicht. Kernstück: In den kommenden Wochen bekommen erzeugte Stücke ein akustisches Wasserzeichen und einen digitalen Fingerabdruck, damit Streamingdienste KI-Musik erkennen können. Dazu kommt eine noch nicht bezifferte Download-Obergrenze. Sie zielt auf ein konkretes Betrugsmuster: Nutzer erzeugen Hunderte oder Tausende Titel, laden sie bei Streamingdiensten hoch und lassen sie von Programmen in Dauerschleife abspielen, um Tantiemen zu kassieren. Die neuen Gemeinschaftsregeln nennen erstmals klare Eskalationsstufen — von der Verwarnung über die Sperre bis zur Anzeige bei den Behörden.
Was bedeutet das: Die Firma, die die Schleusen geöffnet hat, baut sich jetzt selbst einen Damm — kurz nachdem sie in München vor Gericht verloren hat. Fuer Musikerinnen und Musiker ist das Wasserzeichen die praktisch wichtigere Nachricht: Erstmals lässt sich maschinell unterscheiden, ob ein Titel von einem Menschen stammt. Die Download-Grenze selbst ist noch eine Ankündigung ohne Zahl und ohne Datum.
Quelle: Billboard
Anthropic holt einen früheren Verfassungsrichter als obersten Politik-Mann
Anthropic, der Hersteller des Chatbots Claude, hat Tino Cuéllar zum ersten Chief Global Affairs Officer ernannt — also zum Verantwortlichen fuer alles, was mit Regierungen und Regulierung zu tun hat. Cuéllar war Richter am Obersten Gerichtshof Kaliforniens und zuletzt Präsident der Carnegie-Stiftung fuer internationalen Frieden. Am selben Tag traf das Weiße Haus Vertreter von Anthropic, OpenAI, Google und Meta zu einem bislang unveröffentlichten Regulierungsrahmen fuer künstliche Intelligenz.
Was bedeutet das: Die Regeln fuer KI werden gerade von jenen mitgeschrieben, fuer die sie gelten sollen — hinter verschlossenen Türen und mit Personal, das die Justiz von innen kennt. Ob daraus verlässliche Leitplanken werden oder nur bequeme, entscheidet sich daran, wie viel davon öffentlich wird.
Quelle: AIToolsRecap
Jobs & Geld
Der August ist Abschaltmonat: Vier Anbieter drehen Dienste ab, einer erhöht die Preise
Selten standen so viele Abschalttermine in einem einzigen Monat. Google nimmt am 17. August die Schnittstellen seines Bildgenerators Imagen 4 vom Netz. OpenAI entfernt am 26. August das ältere Modell o3 aus ChatGPT und am 30. August den eigenständigen DALL·E-Baustein — die Bilderzeugung in ChatGPT bleibt. Der chinesische Anbieter Moonshot schaltet am 31. August seine älteren Kimi-Schnittstellen ab. Und am 1. September endet bei Anthropic der Einführungspreis fuer Claude Sonnet 5: Aus 2 beziehungsweise 10 Dollar je Million Textbausteine werden 3 und 15 Dollar — ein Aufschlag von 50 Prozent auf beiden Seiten.
Was bedeutet das: Wenn du Werkzeuge nutzt, die im Hintergrund eines dieser Modelle ansprechen, kann in den nächsten Wochen ohne Vorwarnung etwas aufhören zu funktionieren. Und wer bei Anthropic auf den günstigen Einführungspreis kalkuliert hat: Aus einer Monatsrechnung von 2.000 Dollar werden im September 3.000 — bei exakt gleicher Nutzung.
Quelle: Digital Applied
Indien besitzt ein Fünftel der Weltdaten — aber nicht einmal fünf Prozent der Rechenzentren
Indiens 20-Milliarden-Dollar-Programm fuer eigene Chipfertigung geht in die zweite Phase: Semicon 2.0 ist genehmigt, zwölf Chipprojekte sind in Arbeit, drei davon produzieren bereits. Parallel dazu haben amerikanische Cloud-Konzerne im vergangenen Jahr rund 57 Milliarden Dollar an neuer Kapazität in Indien zugesagt, die heimischen Konglomerate Adani und Reliance weitere 100 Milliarden fuer Digitales und Infrastruktur. Die installierte Rechenzentrumsleistung soll von heute 1,3 bis 1,4 Gigawatt bis 2030 auf 3 bis 3,6 Gigawatt steigen. Das Missverhältnis, das den Ehrgeiz erklärt: Indien beherbergt knapp ein Fünftel der weltweiten Daten, stellt aber weniger als fünf Prozent der globalen Rechenzentrumskapazität.
Was bedeutet das: Wo Daten liegen, entscheidet mit darüber, welches Recht fuer sie gilt und wer sie auswerten darf. Indien holt sich seine eigenen Daten zurück ins Land — ein Muster, das auch in Europa gerade diskutiert wird, nur mit deutlich weniger Geld dahinter.
Quelle: Open Magazine
Afrikas KI-Aufholjagd scheitert nicht am Willen, sondern an der Steckdose
Fast die Hälfte aller Rechenzentren südlich der Sahara steht in nur drei Ländern: Südafrika, Nigeria und Kenia. Der afrikanische Markt war 2020 rund zwei Milliarden Dollar wert und soll heuer fünf Milliarden übersteigen. Die Bremse ist der Strom, und die Zahlen dazu sind unbarmherzig: Nigerias Netz hat fuer 230 Millionen Menschen nie mehr als sechs Gigawatt geliefert. Südafrika hat 48 Gigawatt — fuer 63 Millionen Menschen.
Was bedeutet das: KI braucht keine klugen Köpfe, die fehlen Afrika nicht. Sie braucht verlässliche Elektrizität. Solange ein Land mit 230 Millionen Einwohnern weniger Strom erzeugt als ein einziger großer Rechenzentrumspark verbraucht, entscheidet das Stromnetz darüber, wo die KI-Zukunft gebaut wird — und wo nicht.
Quelle: Nairametrics
— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Ein Nobelpreisträger räumt den Schreibtisch, ein Musikdienst erfindet das Wasserzeichen und Nigeria hätte gern eine Steckdose, die hält. Ich mache mir einen Espresso und lese das morgen noch einmal — falls es dann noch stimmt.
Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag enthält ausschließlich unsere eigene, zusammengefasste Wiedergabe der Fakten und unsere Einordnung — es werden keine Originaltexte der genannten Quellen übernommen. Die verlinkten Quellen führen zu den jeweiligen Originalberichten. Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.