Produkt & Capability
Qualcomm baut einen eigenen KI-Rechenzentrums-Chip namens Dragonfly C1000 — und Meta steigt ein
Der Handy-Chip-Konzern Qualcomm hat gestern, am 25. Juni, einen ganz neuen Chip vorgestellt: den Dragonfly C1000, gebaut nicht fürs Smartphone, sondern für die riesigen Rechenzentren, in denen KI arbeitet. Facebook-Mutter Meta hat bereits zugesagt, ihn ab 2028 einzusetzen. Qualcomm hob daraufhin seine Umsatzprognose für das Rechenzentrumsgeschäft kräftig an, die Aktie sprang im nachbörslichen Handel um rund 15 Prozent.
Was bedeutet das: Bisher kommt fast jeder KI-Chip von einer einzigen Firma, Nvidia. Wenn nun auch Qualcomm mitmischt und ein Schwergewicht wie Meta anbeißt, bekommt dieser Quasi-Monopolist ernsthafte Konkurrenz — und das drückt langfristig die Preise für alles, was mit KI läuft.
Quelle: CNBC
Samsung kehrt seinen ChatGPT-Bann um — und gibt 125.000 Mitarbeitern den OpenAI-Assistenten in die Hand
Der Elektronikriese Samsung hatte ChatGPT 2023 für seine Belegschaft verboten, nachdem Mitarbeiter versehentlich Firmengeheimnisse in den Chatbot getippt hatten. Jetzt macht das Unternehmen kehrt und stellt rund 125.000 Beschäftigten in Südkorea und weltweit die Firmenversion von ChatGPT samt dem Programmier-Helfer Codex zur Verfügung. OpenAI nennt es eine der größten Einführungen seiner Geschichte; zuvor lief ein zweimonatiger Test mit 2.500 Mitarbeitern, bei dem auch Google und Anthropic im Rennen waren.
Was bedeutet das: Die Frage in den Chefetagen lautet nicht mehr „Sollen wir KI überhaupt zulassen?", sondern „Wie setzen wir sie sicher für alle ein?" Wer beruflich mit so einem Konzern zu tun hat, wird KI-Werkzeugen also immer häufiger begegnen — ob im Kundenservice, in der Buchhaltung oder beim nächsten Angebot.
Quelle: OpenAI
Regeln & Recht
Anthropic wirft dem chinesischen Konzern Alibaba vor, sich heimlich das Können von Claude abgeschaut zu haben
Die KI-Firma Anthropic beschuldigt den chinesischen Internetriesen Alibaba, mit rund 25.000 gefälschten Konten 28,8 Millionen Mal mit ihrem KI-Assistenten Claude geplaudert zu haben — nicht aus Neugier, sondern um die Antworten einzusammeln und damit das eigene KI-Modell zu trainieren. Fachleute nennen das eine „Distillation"-Attacke: Man fragt ein fremdes Modell millionenfach aus und destilliert sich so dessen Fähigkeiten heraus. Laut einem Brief an zwei US-Senatoren lief die Aktion zwischen 22. April und 5. Juni und zielte gezielt auf Claudes Stärken beim Programmieren und beim eigenständigen Abarbeiten langer Aufgaben. Alibaba äußerte sich auf Anfragen mehrerer Medien nicht.
Was bedeutet das: Kein Passwort wurde geknackt, keine Brandmauer durchbrochen — und genau das ist der Punkt. Solches Abschauen ist bislang in den meisten Ländern nicht verboten, weshalb Anthropic den US-Kongress um ein Gesetz bittet. Für dich heißt es: Der Wettlauf zwischen amerikanischer und chinesischer KI wird auch mit Tricks ausgetragen, nicht nur mit Erfindergeist.
Quelle: Tom's Hardware
Norwegen verbannt generative KI fast vollständig aus den Grundschulen
Norwegen verbietet ab dem Schuljahr, das Ende August beginnt, generative KI für Grundschulkinder weitgehend; ältere Schüler dürfen sie nur unter Aufsicht nutzen. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre begründete den Schritt mit sinkenden Testergebnissen — schon 2024 hatte das Land Smartphones aus den Klassenzimmern verbannt. Die Regel betrifft die Programme von OpenAI, Google und Anthropic gleichermaßen und wird nach einem Jahr überprüft.
Was bedeutet das: Norwegen ist das erste größere europäische Land, das hier landesweit die Notbremse zieht — und sicher nicht das letzte. Der Gedanke dahinter: Wer den Aufsatz von der Maschine schreiben lässt, lernt das Schreiben nie selbst. Für Eltern und Großeltern ist das eine Einladung, beim Thema KI und Hausaufgaben genauer hinzusehen.
Quelle: Asharq Al-Awsat
Jobs & Geld
Microsoft-Chef Nadella liest den KI-Riesen die Leviten — und ein Uber-Beispiel zeigt, warum
Microsoft-Chef Satya Nadella hat im Wall Street Journal ungewöhnlich deutlich OpenAI und Anthropic beim Namen genannt und ihnen vorgehalten, sie hätten sich die Erlaubnis der Gesellschaft noch nicht verdient, ganze Berufsgruppen umzukrempeln. Als Beleg, wie teuer der KI-Hunger werden kann, dient der Fahrdienst Uber: Das Unternehmen gab rund 5.000 Programmierern den KI-Helfer Claude Code an die Hand — und verbrauchte sein gesamtes KI-Budget von 3,4 Milliarden Dollar für das Jahr in nur vier Monaten. Pikant: Microsoft ist selbst Großinvestor bei OpenAI und Anthropic.
Was bedeutet das: KI macht einzelne Mitarbeiter schneller, aber wenn jede Frage an die Maschine Geld kostet, summiert sich das in schwindelerregende Beträge. Die nächste Welle der Firmen-Einkäufe wird deshalb nicht nur fragen „Was kann die KI?", sondern „Was kostet uns jede Antwort?" — eine nüchterne Rechnung, die uns alle betrifft.
Quelle: TechTimes
KI-Training & Forschung
Ein Nobelpreisträger verlässt Google und wechselt zu Anthropic
John Jumper, der 2024 den Chemie-Nobelpreis für das Programm AlphaFold erhielt, verlässt nach fast neun Jahren Google DeepMind und geht zu Anthropic. AlphaFold sagt voraus, wie sich Eiweiße im Körper falten — eine jahrzehntealte Schlüsselfrage der Biologie, die heute über zwei Millionen Forscher in 190 Ländern für ihre Arbeit an Impfstoffen und Krebsmedikamenten nutzen. Sein Wechsel kommt nur einen Tag, nachdem mit Noam Shazeer ein weiterer Google-Vordenker zu OpenAI abwanderte; Google verlor damit binnen Tagen zwei seiner klügsten Köpfe.
Was bedeutet das: Die spannendste KI-Schlacht wird gerade nicht um Chatbots geschlagen, sondern um die Wissenschaft — neue Medikamente, neue Materialien. Dass ausgerechnet ein Nobelpreisträger das Lager wechselt, zeigt, wohin die klügsten Köpfe glauben, dass die Reise geht.
Quelle: The Next Web
— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Wenn sich sogar Nobelpreisträger umentscheiden und Konzerne ihre eigenen Verbote zurücknehmen, dann weißt du: stillstehen ist heute die einzige Bewegung, die garantiert nach hinten geht.