Was die Modelle können
ChatGPTs neues Gedächtnis räumt jetzt selbst auf
OpenAI hat am Donnerstag „Dreaming V3" ausgerollt — die größte Überarbeitung des ChatGPT-Gedächtnisses seit dem Start des Chatbots. Bisher merkte sich die KI nur, was du ihr ausdrücklich zum Merken auftrugst; jetzt sortiert sie nach jedem Gespräch im Hintergrund selbst, was wichtig bleibt und was veraltet ist. Sagst du, du fliegst im Juli nach Singapur, empfiehlt sie dir im August keine Restaurants dort mehr, weil die Reise vorbei ist. Laut OpenAI braucht das neue Verfahren rund fünfmal weniger Rechenleistung, weshalb auch Gratis-Nutzer es bald bekommen sollen — den Anfang machen zahlende Plus- und Pro-Kunden in den USA.
Was bedeutet das: Ein Assistent, der sich an deinen Kontext erinnert, ohne dass du dich ständig wiederholst, ist im Alltag bequem und beim Datenschutz heikel. Wer ungefragt Profile über dich anlegt, bekommt es ab August mit den Transparenzregeln des EU-KI-Gesetzes zu tun.
Quelle: OpenAI
Robotik
Figures Roboter humpelt sich selbst in die Werkstatt
Der US-Hersteller Figure hat mit „Vulcan" eine neue Steuer-Software für seinen humanoiden Roboter Figure 03 vorgestellt, die ihn auch dann auf den Beinen hält, wenn bis zu drei Gelenke im Unterkörper ausfallen. In der Demo wird dem Roboter absichtlich ein Bein lahmgelegt — er fängt sich, bleibt stehen und läuft eigenständig zur Reparaturstation. Möglich macht das ein KI-System, das die Bewegung direkt aus Kamerabildern berechnet, statt starre Programmzeilen abzuarbeiten, und so eine ausgefallene Gliedmaße ausgleicht wie ein Lebewesen eine Verletzung.
Was bedeutet das: Wenn ein Roboter nach einem Defekt nicht umkippt und die Fertigungslinie blockiert, sondern sich selbst aus dem Weg räumt, wird der Dauerbetrieb in Fabriken planbarer — genau das, was Großkunden wie BMW für die Massenfertigung brauchen.
Quelle: Humanoids Daily
Chinas Roboter-Pionier Unitree darf an die Börse — und Nvidia baut auf seiner Hardware
Die chinesische Firma Unitree hat als erstes Unternehmen für „verkörperte" KI (also eine KI, die in einem physischen Roboter steckt) grünes Licht für einen Börsengang an Chinas Technologiebörse STAR Market bekommen. Fast zeitgleich erklärte der US-Chipkonzern Nvidia ausgerechnet den Roboterkörper „H2 Plus" von Unitree zur Hardware-Grundlage seiner offenen Roboter-Plattform GR00T. Unitree lieferte 2025 mehr Humanoide aus als alle Wettbewerber zusammen und peilt für dieses Jahr bis zu 20.000 Stück an.
Was bedeutet das: China baut bei humanoiden Robotern gerade einen Vorsprung in der schieren Stückzahl auf. Wenn dann auch noch Nvidia chinesische Hardware zum Standard erhebt, verschieben sich die Gewichte im Roboter-Rennen spürbar Richtung Osten.
Quelle: Tech Times
Regeln & Recht
US-Kongress legt 269-Seiten-Gesetz für KI vor
Zwei Abgeordnete — ein Republikaner und eine Demokratin — haben am Donnerstagabend den Entwurf des „Great American Artificial Intelligence Act" vorgestellt, das umfassendste KI-Gesetz, das der US-Kongress je auf den Tisch gelegt hat. Der Kern: Drei Jahre lang dürften einzelne US-Bundesstaaten keine eigenen Regeln mehr für die Entwicklung der leistungsstärksten KI-Modelle erlassen — bestehende Gesetze wie das von Colorado würden eingefroren. Große KI-Firmen mit über 500 Millionen Dollar Umsatz müssten im Gegenzug Sicherheitsvorfälle dem Staat melden und offenlegen, wie sie ihre Modelle kontrollieren.
Was bedeutet das: Gewerkschaften nennen den Entwurf ein „Geschenk an die Industrie", Tech-Verbände jubeln. Noch ist es nur ein Diskussionsentwurf, doch er zeigt, wohin Washington steuert: einheitliche Bundesregeln statt Flickenteppich — auf Kosten strengerer Schutzvorschriften einzelner Bundesstaaten.
Quelle: Roll Call
Chinas Gerichte: KI ist kein Kündigungsgrund
Ein Gericht im ostchinesischen Hangzhou hat entschieden, dass eine Firma einen Mitarbeiter nicht einfach entlassen darf, nur weil eine KI seinen Job übernimmt — ein Urteil, das gerade international Beachtung findet. Der Fall: Ein Qualitätsprüfer sollte herabgestuft werden, sein Monatsgehalt von 25.000 auf 15.000 Yuan sinken; als er sich weigerte, wurde ihm gekündigt. Sowohl die Schlichtungsstelle als auch das Gericht erklärten das für unzulässig — die Einführung von KI sei eine unternehmerische Entscheidung, deren Kosten nicht auf die Beschäftigten abgewälzt werden dürften.
Was bedeutet das: Während weltweit Zehntausende Tech-Stellen mit Verweis auf KI gestrichen werden, zieht Chinas Justiz eine klare Grenze. Für Beschäftigte ist das ein Präzedenzfall — und ein Signal, das auch europäische Arbeitsgerichte aufmerksam lesen dürften.
Quelle: Caixin Global
Jobs & Geld
Arizonas Stromversorger will Rechenzentren 45 Prozent mehr abknöpfen
Arizona Public Service, der größte Stromversorger des US-Bundesstaats, will von besonders großen Stromfressern wie KI-Rechenzentren einen Aufschlag von bis zu 45 Prozent verlangen. Die Begründung: Die enormen Strommengen, die KI-Anlagen schlucken, treiben Netzausbau und Wartung in die Höhe — und das sollen nicht die normalen Haushalte mitbezahlen. Über den Antrag wird gerade vor der Regulierungsbehörde verhandelt, eine Entscheidung wird gegen Jahresende erwartet.
Was bedeutet das: Der wahre Engpass der KI ist längst nicht mehr der Chip, sondern der Strom. Müssen Rechenzentren künftig ihren tatsächlichen Anteil zahlen, verteuert das den Betrieb von KI-Modellen — und andere Bundesstaaten dürften dem Beispiel folgen.
Quelle: KTAR News
Indiens KI-Boom schafft Jobs, statt sie zu vernichten
Während im Westen über KI-bedingte Entlassungen geklagt wird, läuft es in Indien andersherum: Die Zahl der KI-Stellen soll dort 2026 laut Schätzungen der Personalbranche um rund 32 Prozent auf fast 380.000 wachsen. Treiber sind Bengaluru, Hyderabad und kleinere Städte, die zu KI-Standorten aufsteigen; KI-Kenntnisse tauchen inzwischen in fast drei von vier neuen IT-Verträgen auf. Die Regierung pumpt über ihre „IndiaAI"-Initiative mehr als 1,2 Milliarden Dollar in Ausbildung und Rechenkapazität.
Was bedeutet das: KI vernichtet nicht überall Arbeitsplätze — wo Ausbildung und Aufträge zusammenkommen, entstehen neue. Indien positioniert sich als Werkbank und Denkfabrik der KI-Welt zugleich.
Quelle: Metaintro
— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Sieben Meldungen, zwei Roboter, ein Gericht, das den Menschen recht gibt — und ein Espresso, der kalt wurde, während die Zukunft schon wieder umgeparkt hat.