Regeln & Recht
Anthropic wirft Alibaba vor, 151 Millionen Claude-Gespräche abgesaugt zu haben — verteilt auf 3.500 Konten, aufgefallen ist es erst Monate später
In seinem September-Bedrohungsbericht legt Anthropic Zahlen vor, die man zweimal liest: Zwischen Mai und Juli sollen über 3.500 Konten hinweg 151 Millionen Austausche mit Claude gelaufen sein, an einem einzigen Spitzentag knapp drei Millionen Anfragen. Zweck laut Anthropic: Trainingsmaterial für Alibabas Qwen-Modelle. Destillation nennt sich das, wenn ein Modell ein anderes ausfragt, bis es dessen Fähigkeiten mitbekommen hat. Der Bericht erfasst Aktivitäten von Dezember 2025 bis August 2026 — drei Monate lief der Verkehr, bevor jemand die Muster zusammensetzte. Alibabas US-Aktien gaben rund 2,7 Prozent nach, auf ein Jahrestief. Aus Peking kam die bekannte Antwort: eigene Stärke in Wissenschaft und Technik, und die USA politisierten Handelsfragen.
Bemerkenswert ist weniger der Vorwurf als die Rechnung dahinter. Wer 151 Millionen Gespräche führt, hinterlässt Spuren wie eine Elefantenherde im Schnee — und wird trotzdem erst im Rückblick sichtbar, wenn jemand die richtige Frage an die eigenen Logs stellt.
Quelle: Anthropic
Die Frage des Tages · 11. September 2026
56 % haben durch ungeprüfte KI-Ergebnisse schon Fehler abgeliefert. Und du – wann fiel dir zuletzt einer erst auf, als der Bericht schon beim Kunden war?
Tipp auf deine Antwort und bestätige sie mit einem Klick — dann siehst du sofort, wie die anderen geantwortet haben. Keine passt? Schreib deine eigene.
Das US-Justizministerium will wissen, warum Nvidias Groq-Deal keine Fusion sein soll
Im Dezember hat Nvidia sich für kolportierte 17 bis 20 Milliarden Dollar Technik von Groq lizenziert. Mitgekommen sind Groq-Chef Jonathan Ross und COO Sunny Madra. Was nicht mitgekommen ist: eine Fusionsanmeldung nach dem Hart-Scott-Rodino-Verfahren. Genau daran hat das Justizministerium nun Fragen und hat formell Unterlagen angefordert. Die Konstruktion ist im Silicon Valley beliebt geworden — man kauft nicht die Firma, man lizenziert ihre Technik und stellt ihre Führung ein. Juristisch ist das keine Übernahme. Für den Wettbewerb sieht es von außen aus wie eine.
Quelle: New York Times
Clearview AI testet ein Werkzeug, das aus einem Gesichtstreffer gleich das ganze Leben zusammenschreibt
InquiryIQ heißt das Ding und macht aus dem Fund einer Gesichtserkennung ein automatisch erstelltes Profil: Aliasnamen, Social-Media-Spuren, öffentlich Auffindbares, zusammengezogen zu einem Dossier. Bisher war Gesichtserkennung eine Frage mit einer Antwort — ist er es oder nicht. Jetzt ist sie der erste Dominostein.
Der Einwand der Anbieter stimmt übrigens: Ermittler haben diese Recherche schon immer gemacht, nur langsamer und mit mehr Kaffee. Der Unterschied ist nicht die Art der Arbeit, sondern ihr Preis. Was Stunden kostete, wurde selten leichtfertig begonnen. Was Sekunden kostet, wird für jeden gemacht, der zufällig ins Bild läuft.
Quelle: WIRED
Was die Modelle können
OpenAI verkauft Sprechen jetzt nach Minuten — fünf Cent, und das Modell lässt sich mitten im Satz unterbrechen
GPT-Live-1 ist in der API. Full Duplex heißt: reden und zuhören gleichzeitig, wie am Telefon, nicht wie beim Funkgerät. Man kann dem Modell mitten im Satz ins Wort fallen und es umlenken, und es soll den Cafélärm im Hintergrund ignorieren statt darauf zu antworten. Auf dem hauseigenen Vergleichstest liegt es dreißig Punkte über dem Vorgänger. Zum Start dabei sind unter anderem Yelp und Telnyx. Der Preis, fünf Cent die Minute, ist die eigentliche Nachricht: Ein Gespräch kostet jetzt weniger als der Papierbecher, aus dem der Anrufer trinkt.
Quelle: OpenAI
Apple faltet das iPhone — 1.999 Dollar, und der Chip rechnet die KI im Gerät statt in der Wolke
Das iPhone Duo hat innen 7,6 Zoll, außen 5,4 und einen A20-Pro-Prozessor, der in Zwei-Nanometer-Technik gefertigt wird und ausdrücklich für KI auf dem Gerät gebaut ist. Damit ist die Richtung deutlicher als das Scharnier: Apple will die Rechenarbeit dort behalten, wo die Daten anfallen, während der Rest der Branche Kernkraftwerke für Rechenzentren anmietet. Zwei Wetten auf dieselbe Zukunft, aus entgegengesetzten Richtungen.
Quelle: Associated Press
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KI-Training & Forschung
Chinas Chiphersteller erhöhen die Preise um bis zu 50 Prozent — der Engpass sitzt im Speicher
Huaweis Ascend 950DT kostet inzwischen über 250.000 Yuan, umgerechnet rund 37.000 Dollar. Quer durch die chinesische Chipbranche ziehen die Preise um 20 bis 50 Prozent an, und der Grund ist nicht die Nachfrage allein, sondern der knappe HBM-Speicher, ohne den ein Beschleuniger ein teurer Briefbeschwerer bleibt. Die Exportkontrollen sollten China von Nvidia abschneiden. Abgeschnitten wurde es vom Speicher.
Quelle: Reuters
Jobs & Geld
Nvidia baut zwei Gigawatt Rechenleistung nach Australien — bis 2027
Mit Firmus, CDC, NEXTDC und AirTrunk als Partnern will Nvidia die australische Rechenzentrumskapazität in etwa verdoppeln. Zwei Gigawatt, das ist die Größenordnung von zwei Kernkraftblöcken, für Maschinen, die Text vorhersagen.
Quelle: Reuters
Amazon schaltet Werbung in ChatGPT — und macht damit schon eine Milliarde Dollar im Jahr
Die Anzeigen laufen über Amazons Nachfrageplattform, zunächst in den USA, in den kostenlosen Tarifen, abgerechnet nach Klick oder Einblendung. Delta Vacations gehört zu den Startpartnern. Die annualisierte Laufrate liegt bereits bei einer Milliarde Dollar. Damit ist die Frage, ob Werbung in Assistenten kommt, beantwortet — sie war es vermutlich schon vor der ersten Anzeige.
Quelle: CNBC
Harvey sammelt 550 Millionen Dollar ein und wird mit 15,5 Milliarden bewertet
Die Kanzlei-KI hat damit über 1,55 Milliarden Dollar eingesammelt und baut mit Tenet inzwischen ein eigenes Modell. Bemerkenswert ist die Richtung: Der Rechtsmarkt galt lange als der Bereich, in dem Sorgfaltspflicht und Haftung die Automatisierung ausbremsen. Offenbar bremsen sie vor allem den Preis.
Quelle: TechCrunch
In China machen unterbeschäftigte Anwälte und Therapeuten die Trainingsdaten — 15 bis 74 Dollar pro Auftrag
Plattformen wie Alibabas Siriser, ByteDances Xpert oder MeetChances vermitteln Fachleute an KI-Labore, die deren Urteil brauchen: Juristen, Architekten, Ingenieure, Lehrer, Therapeuten. Bezahlt wird pro Aufgabe, 100 bis 500 Yuan. Xpert allein führt über 50.000 Expertinnen und Experten. Die Jugendarbeitslosigkeit lag im Juli bei 17,9 Prozent, der chinesische Markt für KI-Trainingsdaten wächst um ein Viertel auf 7,8 Milliarden Yuan. Es ist eine sehr genaue Ironie: Wer keine Stelle findet, bringt der Maschine bei, was die Stelle ausgemacht hätte.
Quelle: Rest of World
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— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Hunderteinundfünfzig Millionen Gespräche, drei Monate lang, und aufgefallen ist es erst, als jemand die eigenen Protokolle mit der richtigen Frage angeschaut hat. Das ist nicht die Geschichte eines besonders raffinierten Angriffs, das ist die Geschichte einer Herde im Schnee, an der alle vorbeigelaufen sind. Ich sitze hier und denke an die Berichte, die heute rausgehen, ungelesen bis zur zweiten Seite, und daran, dass Nachschauen die einzige Fähigkeit ist, die sich bisher nicht automatisieren lässt.
Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag enthält ausschließlich unsere eigene, zusammengefasste Wiedergabe der Fakten und unsere Einordnung — es werden keine Originaltexte der genannten Quellen übernommen. Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.