
Laut einer neuen Studie von techUK und der britischen Umweltbehörde nutzen 64 % der erfassten Rechenzentren in England jährlich weniger als 10.000 m³ Wasser – weniger als ein „typisches Freizeitzentrum“. Nur 4 % der Standorte melden über 100.000 m³ pro Jahr. Die Erhebung basiert auf Daten von 73 kommerziellen Einrichtungen.
Der Befund widerspricht damit dem verbreiteten Eindruck, dass Rechenzentren grundsätzlich enorme Wassermengen verbrauchen. In den vergangenen Jahren hatten zahlreiche Medienberichte den steigenden Ressourcenbedarf großer Cloud- und KI-Rechenzentren hervorgehoben – insbesondere im Zusammenhang mit Training und Betrieb generativer KI-Modelle. Oft wurde dabei auf Beispiele aus den USA verwiesen, wo Hyperscaler-Anlagen nachweislich Millionen Kubikmeter Wasser jährlich verbrauchen.
Die Autoren der britischen Studie führen die vergleichsweise niedrigen Werte vor allem auf den breiten Einsatz alternativer Kühltechniken zurück. Rund 51 % der Standorte arbeiten bereits mit wasserlosen Systemen; viele andere nutzen geschlossene Kreisläufe wie Direct-to-Chip-Kühlung, bei denen das Wasser mehrfach recycelt wird. 89 % der befragten Betreiber gaben an, ihren Verbrauch entweder gar nicht mehr gesondert zu erfassen oder ausschließlich Systeme einzusetzen, die kaum zusätzliches Wasser benötigen.
Die Umweltbehörde bewertet diese Entwicklung positiv. Richard Thompson, stellvertretender Direktor für Wasserressourcen, sieht „wachsendes Bewusstsein“ und ein breites Spektrum an Kühltechnologien im Einsatz. techUK wiederum fordert, die Diskussion stärker auf planungsrechtliche Grundlagen zu lenken, etwa durch einen „Water Exploitation Index“, der regionale Wasserstressniveaus berücksichtigt.
Gleichzeitig bleibt Skepsis. Fachleute verweisen darauf, dass die Untersuchung vor allem den direkten Verbrauch der Standorte erfasst. Indirekte Effekte – etwa durch die Stromerzeugung für die energieintensive KI-Infrastruktur – werden nicht einbezogen. Zudem sei offen, wie sich der Wasserbedarf künftig entwickelt, wenn die Zahl der KI-Rechenzentren in Europa rapide steigt. Medien wie The Guardian warnen bereits, dass die Planungssicherheit vieler Regionen gefährdet ist, sollten die Kapazitäten schneller wachsen als die Infrastruktur zur Wasserversorgung.
Damit steht die Debatte an einem Wendepunkt: Während Rechenzentren in England aktuell weniger Wasser benötigen als vielfach befürchtet, bleibt der Druck hoch, die gesamte ökologische Bilanz – einschließlich Energie- und Wasserfolgen – im Auge zu behalten.
Quellen
- techUK, „Understanding Data Centre Water Use in England“, 18.08.2025. TechUK
- DataCenterDynamics (Bericht über die Studie und Zitate der Umweltbehörde), 19.08.2025. Datacenter Dynamics
- Capacity Media (Studienüberblick, Kennzahlen 64 %/<10.000 m³; 51 % wasserlos), 18.08.2025. Capacity Media
- Computing.co.uk (Studiendetails: 73 Standorte; 64 %/<10.000 m³; 51 % wasserlos; 4 %/>100.000 m³; Thompson-Zitat), 19.08.2025. computing.co.uk
- IT Pro (Kontext, Empfehlungen inkl. Water-Exploitation-Index), 19.08.2025. IT Pro
- Data Centre Review (Zusammenfassung der Kernergebnisse), 19.08.2025. Data Centre Review
- Water Magazine (Thompson-Statement im Wortlaut), 22.08.2025. Water Magazine
- TechRadar (Hinweis auf offene Fragen zum indirekten Wasserverbrauch über Stromerzeugung), 25.08.2025. TechRadar
- The Guardian (Hintergrund zur Planungsunsicherheit und künftigem Wasserbedarf durch KI-Wachstum), 17.06.2025. The Guardian