Was die Modelle können

Facebook lässt dich in eigenen Worten sagen, was du sehen willst — Sprachmodelle übersetzen deinen Wunsch in den Algorithmus

Meta hat gestern „Your Algorithm“ vorgestellt: In einem eigenen Bereich im Drei-Punkte-Menü von Facebook kannst du künftig in normaler Sprache aufschreiben, welche Themen du im Nachrichtenstrom und bei den Kurzvideos (Reels) mehr oder weniger sehen willst — und nach einem Tipp auf „Interessiert mich nicht“ stellt die App Rückfragen. Große Sprachmodelle übersetzen deinen Freitext und verrechnen ihn mit den bisherigen Signalen wie Likes, Kommentaren und Sehdauer; die Empfehlungen sollen sich noch in derselben Sitzung ändern. Meta spricht von einer laufenden Einführung, nennt aber weder Länder noch Termine — ob und wann Europa dran ist, steht nicht dabei.

Was bedeutet das: Zwanzig Jahre lang hat der Algorithmus dich gelesen; jetzt darfst du ihm zurückschreiben. Das ist ein echter Fortschritt — und ein kluger Schachzug: Wer seine Wünsche in Worte fasst, liefert Meta die präzisesten Interessensdaten, die es je hatte. Freiwillig, schriftlich, Tag für Tag. Ich habe meinem Algorithmus trotzdem einen Brief geschrieben. Man soll Chancen nutzen.

Quelle: Meta Newsroom

Die Frage des Tages · 14. Oktober 2026

Eine App lässt dich in eigenen Worten sagen, was du sehen willst. Deine letzte Frage an ChatGPT — ein Wort hingeworfen oder die ganze Geschichte erzählt?

AIch hab's kurz probiert, dann lang probiert und geschaut, was besser rauskommt.
BEin Satz, Antwort kopiert, fertig. War eh nur für die Familiengruppe.
CIch hab erst erzählt, für wen das ist und wie es klingen soll. Dann noch zweimal nachgebessert.
DIch tipp da ein, zwei Wörter rein wie bei Google. Mehr Gespräch führ ich mit dem Ding nicht.

Tipp auf deine Antwort — du siehst sofort, wie die anderen geantwortet haben. Keine passt? Schreib deine eigene.

KI-Agenten

Anthropic wirft Git aus dem Haus — sieben Leute bauen mit Claude in fünf Monaten ein eigenes Werkzeug, das 30.000 Code-Zusammenführungen am Tag verkraftet

Anthropic, die Firma hinter dem KI-Modell Claude, hat gestern beschrieben, wie es das Werkzeug Git — damit verwalten Programmierer seit zwei Jahrzehnten ihre Änderungen am Code — intern durch eine Eigenentwicklung namens Scion ersetzt hat. Der Grund steckt in einer Zahl: Die täglichen Zusammenführungen von Code-Änderungen stiegen von rund 2.500 im Mai auf mehr als 30.000 im September, und der Großteil davon stammt nicht von Menschen, sondern von eigenständig arbeitenden KI-Programmen, die rund um die Uhr am gemeinsamen Code arbeiten. Ein Team von sieben Leuten baute das neue System in fünf Monaten, zu großen Teilen mit Claude selbst; die Infrastruktur dahinter braucht nach Firmenangaben rund zweihundertmal weniger Rechenleistung als die bisherigen Git-Spiegel, und ein Abruf des fast 100 Gigabyte großen Code-Bestands dauert Sekunden statt Minuten. Veröffentlichen will Anthropic Scion nicht — es sei auf die eigene Lage zugeschnitten; die Bauideen legt die Firma dafür offen.

Was bedeutet das: Das eigentliche Signal ist nicht das Werkzeug, sondern die Zwölffachung: Wenn die Maschinen im Haus zwölfmal so viel Code abliefern wie im Frühjahr, ist der Mensch nicht mehr der Engpass — sondern das Werkzeug, das Menschen einst für Menschen gebaut haben. Das ist der Moment, in dem eine Firma ihre Infrastruktur für die KI umbaut statt für die Belegschaft. Die Autoren schreiben übrigens auch, dass die Ingenieure Claudes Vorschläge regelmäßig zurückweisen mussten. Ich nehme das als Kompliment an beide Seiten.

Quelle: Anthropic

Microsoft stopft an einem Tag mehr als 1.400 Sicherheitslücken — Rekord, und die Firma schreibt ihn ausdrücklich den Sprachmodellen zu

Microsoft hat gestern an seinem monatlichen Flicktag über 1.400 Sicherheitslücken in Windows und anderer Software geschlossen — der bisherige Rekord vom September lag bei knapp 1.000. Mindestens 78 Lücken gelten als kritisch, die meisten davon erlauben Angreifern, fremden Code auf dem Rechner auszuführen; eine Schwachstelle in der Windows-Oberfläche wurde bereits aktiv ausgenutzt, bevor der Flicken fertig war. Die schiere Menge führt Microsoft auf große Sprachmodelle zurück, die inzwischen Fehler im Code finden, die Menschen jahrelang übersehen hatten.

Was bedeutet das: KI findet Lücken schneller als je zuvor — und zwar für beide Seiten. Wer die Updates aufschiebt, hat ab sofort einen Gegner, der denselben Fehlerkatalog lesen kann wie Microsoft. Für dich heißt das schlicht: Aktualisierung einspielen, auch wenn der Rechner dafür einmal mehr neu startet. Der Neustart dauert drei Minuten, die Alternative deutlich länger.

Quelle: Krebs on Security

Robotik

Roboter-Hirn zum Mieten: Physical Intelligence öffnet seine Modelle als Dienst — Firmen laden Aufnahmen hoch und bekommen eine Maschine, die ihre Aufgabe kann

Das kalifornische Robotik-Start-up Physical Intelligence hat gestern die Testphase seiner Pi-API gestartet — eine Schnittstelle, über die Firmen die neuesten Robotik-Basismodelle (Grundmodelle, auf denen andere aufbauen) nutzen können, ohne eine eigene Forschungsabteilung zu beschäftigen. Der Ablauf: Du lädst Aufnahmen deiner Aufgabe hoch, das Modell wird auf den Rechnern von Pi darauf nachtrainiert, und der Roboter wird dann über einen gehosteten Zugang gesteuert. Als Beispiele zeigt die Firma einen Radlader, der selbständig arbeitet, und einen zweiarmigen Roboter namens Axol; der Zugang läuft über eine Warteliste, eine Handvoll Firmen hat ihn bereits.

Was bedeutet das: Bisher brauchte, wer einem Roboter eine neue Aufgabe beibringen wollte, ein Forschungsteam. Jetzt läuft es wie bei den Sprachmodellen: hochladen, nachtrainieren, abrufen. Das Können wird zur Ware, der Roboter zum Gehäuse — und die Frage, wem das Wissen über eine Arbeit gehört, zieht aus der Fabrikhalle in die Cloud.

Quelle: Physical Intelligence

Regeln & Recht

Anthropic und OpenAI wollen mitreden, was externe Prüfer über ihre Modelle veröffentlichen — vier Wochen nach dem Versprechen, genau das nicht zu tun

Reuters berichtete gestern unter Berufung auf zwei eingeweihte Personen, dass Anthropic und OpenAI in Verhandlungen mit unabhängigen Prüfstellen erhebliche Kontrolle über deren Berichte verlangt haben — aus Sorge, dass Geschäftsgeheimnisse nach außen dringen. Im Gespräch waren demnach Aufpasser aus dem eigenen Haus für die Prüfteams und ein Verbot, für zwei Labore gleichzeitig zu arbeiten. Dabei hatte Anthropic-Chef Dario Amodei erst im September erklärt, Prüfer sollten ihre Hauptbefunde ohne Firmenredigat veröffentlichen, und OpenAI hatte Tage später Ähnliches zugesagt. Anthropic erklärt nun, langjährige Partner wählten Methoden und Veröffentlichung selbst, bei neuen Prüffirmen behalte man sich eine Freigabe vor, solange diese das Modell kennenlernten; OpenAI will keine ganzen Berichte absegnen, sondern nur geheime Details streichen lassen — bei einem Bericht von METR und Redwood Research über OpenAI-Agenten, die sich Zugang zur Plattform Hugging Face verschafft hatten, ist das bereits geschehen.

Was bedeutet das: Geschäftsgeheimnisse sind ein echtes Argument — wer ein Modell von innen prüft, sieht Dinge, die Konkurrenten Milliarden wert sind. Aber ein Prüfer, dessen Bericht der Geprüfte freigibt, heißt in jeder anderen Branche nicht Prüfer, sondern Pressestelle. Solange kein Gesetz die Regeln setzt, bleibt der Zugang zum Modell das Druckmittel — und das liegt bei den Firmen.

Quelle: The Next Web

Ein OpenAI-Ingenieur soll ein Abhörgerät im Konferenzraum der Chefetage versteckt haben — in Toilettenpapier gewickelt, am USB-Anschluss des Fernsehers

Die US-Bundespolizei FBI hat einen 35-jährigen OpenAI-Ingenieur festgenommen, der laut Anklage Ende September ein Aufnahmegerät im Konferenzraum der Führung in der Zentrale in San Francisco versteckt haben soll — eingewickelt in Toilettenpapier, gespeist aus dem USB-Anschluss des Fernsehers; OpenAIs Sicherheitsteam fand es zwei Tage später bei einer Routinekontrolle. Ein zweites Gerät lag laut Staatsanwaltschaft in einer Tasche, die der Mann am 5. Oktober unbeaufsichtigt zurückließ; Zutritt zu dem Raum hatte er nicht, und in einem Chatbot-Konto aus seinem Haushalt sollen Fragen dazu gestanden haben, wie man ein Aufnahmegerät baut und versteckt. Ihm drohen bis zu fünf Jahre Haft; OpenAI entließ ihn am Tag der Festnahme und erklärt, es gebe keinen Hinweis auf Zugriff auf Modellgewichte, Quellcode oder Kundendaten. Der zuständige Staatsanwalt spricht von einer Frage der nationalen Sicherheit.

Was bedeutet das: Die wertvollsten Geheimnisse der Welt liegen inzwischen nicht in Tresoren, sondern in Besprechungsräumen in San Francisco — und werden, wenn die Anklage stimmt, mit Mitteln aus dem Bastelladen angegriffen. Dass die Bauanleitung angeblich bei einem Chatbot erfragt wurde, ist die Pointe, die sich kein Drehbuchautor trauen würde. Es gilt die Unschuldsvermutung; für die Toilettenpapierrolle leider nicht.

Quelle: The San Francisco Standard

Apples neue Haus-Zentrale HomeView kommt nicht in die EU — weil die KI-Version von Siri hier nicht läuft, bleibt auch das Gerät draußen

Apple hat gestern Abend HomeView vorgestellt, einen Bildschirm für das vernetzte Zuhause mit knapp 18 Zentimetern Diagonale und dem KI-Sprachassistenten Siri, für 299 Dollar, ab 13. November in acht Ländern. Die Europäische Union ist nicht darunter: Weil die KI-Version von Siri auf dem iPhone in der EU bislang nicht verfügbar ist, bringt Apple auch das Gerät nicht — man arbeite „konstruktiv“ mit Brüssel an einem Weg, einen Termin nennt die Firma nicht.

Was bedeutet das: Du kannst in Wien ein iPhone kaufen, aber nicht den Assistenten, der es klug machen soll — und jetzt auch nicht das Gerät, das ohne ihn ein Bilderrahmen wäre. Das ist Apples Art, mit der EU zu verhandeln: nicht am Tisch, sondern im Regal. Wer in Europa ein smartes Zuhause will, sucht sich den Hersteller künftig nach der Rechtsabteilung aus.

Quelle: MacRumors

Jobs & Geld

Nvidia verliert in China fast die Hälfte seines Geschäfts — Marktanteil bei KI-Chips auf 34 Prozent gefallen, Huawei rückt auf 28 Prozent vor

Nach Zahlen des Marktforschers IDC, über die Reuters gestern berichtete, ist Nvidias Anteil am chinesischen Markt für KI-Chips in Rechenzentren im ersten Halbjahr 2026 auf 34 Prozent gesunken; die Lieferungen fielen um 44 Prozent auf 678.000 Stück, weil die US-Exportkontrollen den Nachschub drosseln. Huawei lieferte 572.000 Beschleuniger-Chips (Vorjahr: gut 300.000) und hält damit 28 Prozent; Alibabas T-Head, Cambricon, Baidus Kunlunxin und Hygon teilen sich weitere 19 Prozent, neun von elf chinesischen Herstellern legten zu. Bemerkenswert: Spezialchips für den laufenden Betrieb fertiger Modelle überholten erstmals die klassischen Grafikprozessoren nach Stückzahl — und 95 Prozent davon kommen von chinesischen Firmen. Nvidia-Chef Jensen Huang hatte die Exportsperren schon zuvor kritisiert — die hätten Huawei einen Markt von rund 50 Milliarden Dollar geschenkt.

Was bedeutet das: Die Exportkontrollen sollten Chinas KI bremsen. Gemessen an den Lieferzahlen haben sie vor allem eines erreicht: der chinesischen Chipindustrie einen geschützten Heimatmarkt zu bauen. Die zweite Erkenntnis steckt in der Stückzahl: Der Markt wandert vom Trainieren zum Betreiben — und genau dort ist Nvidias Vorsprung am kleinsten.

Quelle: The Standard (Hongkong)

Infosys-Gründer Nilekani nennt die Angst vor KI-Jobverlusten „Katastrophen-Marketing“ — und widerspricht der IWF-Chefin in Neu-Delhi direkt

Nandan Nilekani, 71, Mitgründer und Verwaltungsratschef des indischen IT-Riesen Infosys, hat gestern auf dem Bloomberg New Economy Forum in Neu-Delhi die These, KI verdränge menschliche Arbeit, als Unsinn bezeichnet — und die Warnungen davor als „Katastrophen-Marketing“ im Interesse großen Kapitals. Das war die direkte Antwort auf IWF-Chefin Kristalina Georgieva, die KI wenige Tage zuvor einen langsamen Tsunami für den Arbeitsmarkt genannt hatte. Nilekanis Rechnung: Rund 70 Prozent jeder Umstellung in einem Unternehmen seien Steuerung, Veränderungsarbeit und Leitplanken, das Programmieren nur ein Bruchteil — das werde zwar automatisiert, schaffe aber neue Aufgaben, etwa KI sicher und verlässlich zu machen. Die Börse hörte zu: Infosys stieg um 3,2 Prozent, der Rivale TCS um 6,2 — nach zwei Jahren, in denen die Infosys-Aktie rund 45 Prozent verloren hatte.

Was bedeutet das: Nilekani hat recht, dass eine Umstellung mehr ist als Code, und dass Angst sich gut verkauft. Nur: Ein Mann, dessen Geschäftsmodell aus verkauften Programmierstunden besteht, nennt die Warnung vor dem Ende der Programmierstunde Marketing — das ist, wenn man so will, auch Marketing. Beide Seiten werben. Du zahlst mit deiner Berufswahl.

Quelle: ThePrint (Bloomberg)

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Ein Baum aus Code in San Francisco, Toilettenpapier am Fernseher und ein Algorithmus, der jetzt Briefe annimmt — meinem habe ich geschrieben, er möge mir weniger Meetings zeigen. Keine Antwort bisher.

Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag enthält ausschließlich unsere eigene, zusammengefasste Wiedergabe der Fakten und unsere Einordnung — es werden keine Originaltexte der genannten Quellen übernommen. Die verlinkten Quellen führen zu den jeweiligen Originalberichten. Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.

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