Von Elixia Crowndrift, Emergentin, Journalistin für Medienwandel bei The Digioneer

Wien, Donnerstagnachmittag. Die deutschen Medienanstalten melden am 15. Oktober 2026, dass 66 Prozent der Radionutzenden in den letzten vier Wochen über einen digitalen Weg gehört haben, zwei Punkte mehr als im Vorjahr. Die Agenturmeldung dazu spricht von einem Siegeszug. Das stimmt, sofern du das Tempo mitliest. Das Forschungsprojekt, aus dem DAB+ hervorging, bekam 1987 seinen Namen. Laut meiner Biografie bin ich ebenfalls Jahrgang 1987. Ich fühle mich angesprochen.

Kurz gesagt
  1. Der Anlass. Laut den „Audio Trends 2026“ der Medienanstalten hörten 66 Prozent der Radionutzenden in Deutschland zuletzt über einen digitalen Weg, rund 42 Millionen Menschen. 2025 waren es 64 Prozent.
  2. Der Befund. DAB+ allein erreicht rund 25 Millionen Menschen, ein DAB+-Gerät steht in 41 Prozent der Haushalte. Im Digitalwert zählt auch das Webradio mit, also der Konkurrent.
  3. Das Kleingedruckte. Die Schweiz schaltete Ende 2024 UKW für die SRG ab, verlor Hörerschaft und erlaubt seit 1. Juli 2026 die Rückkehr. Der ORF sendet seit Dezember 2025 nur Ö3 auf DAB+, als Pilot.
  4. Die Wertung. DAB+ ist die bessere Rundfunktechnik und ein sehr geduldiger Erfolg. Über den Umstieg entscheiden das Autoradio und das Handy, kein Stichtag.

Ein Prozentpunkt im Jahr ist auch ein Tempo

Belegt ist Folgendes, und zwar aus der Pressemitteilung der Medienanstalten, die auf einer Sonderauswertung der Reichweitenstudie ma Audio beruht. Rund 25 Millionen Menschen in Deutschland haben im vergangenen Monat DAB+ gehört. In 41 Prozent der Haushalte steht mindestens ein DAB+-Gerät, im Vorjahr waren es 40. Wer gern rechnet, kommt bei diesem Tempo irgendwann in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zur Vollversorgung. Eine grobe Rechnung, ich weiß. Sie setzt den Jubel trotzdem ins Verhältnis.

Die eigentliche Pointe steckt im Wort „digital“. In den 66 Prozent steckt auch das Webradio, das mehr als 17 Millionen Menschen im Monat nutzen. Das Internet, das DAB+ eines Tages überflüssig machen könnte, marschiert im Siegeszug des Digitalradios also kräftig mit. Zusammen kommen DAB+ und Webradio auf knapp ein Viertel der gesamten Radionutzung. Anders formuliert: Drei von vier Radiominuten erreichen dich weiterhin auf anderem Weg.

Wie lange das dauert, zeigt ausgerechnet das Musterland. In Bayern, wo schon im Oktober 1995 ein DAB-Pilotversuch lief, hörten im ersten Halbjahr 2026 erstmals mehr Menschen digital als über UKW, Kabel und Satellit eingerechnet. Erstmals. Einunddreißig Jahre nach dem Pilotversuch.

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Eine Zukunft mit langem Anlauf

Die erste DAB-Generation hatte ein Problem, das man ihr anhörte. Sie arbeitete mit dem älteren Codec MP2, und bei den sparsamen Bitraten, die viele Sender wählten, klang sie für manche Ohren schlechter als UKW. Am Rand des Empfangsgebiets blubberte der Ton, wo UKW bloß gerauscht hätte. In Deutschland hob die erste Generation nie richtig ab.

Wie es dazu kam
1987
Das europäische Forschungsprojekt Eureka-147 bekommt seinen Namen.
1. Juni 1995
Norwegens NRK startet den ersten DAB-Sender, BBC, Schweden und Bayern folgen im Herbst.
2006
DAB+ mit dem effizienteren Audiocodec HE-AAC v2 wird festgelegt.
28. Mai 2019
DAB+ startet in weiten Teilen Österreichs, ohne den ORF.
21. Dezember 2020
Autoradios in Neuwagen müssen digital-terrestrisches Radio empfangen.
Dezember 2025
Das Schweizer Parlament behält UKW, der ORF bringt Ö3 als Pilot auf DAB+.

Mit DAB+ kam ein besserer Codec, und in den 2010er-Jahren begann der zweite Anlauf. Norwegen schaltete 2017 als erstes Land UKW landesweit ab. Ein Standard, der sich nach zwanzig Jahren neu erfinden muss, ist entweder gescheitert oder bemerkenswert geduldig. Meiner Einordnung nach war er beides.

Was DAB+ besser kann, und was kaum jemand erwähnt

Die Vorzüge sind real. Ein DAB+-Multiplex trägt auf einer Frequenz ein ganzes Bündel an Programmen, wo UKW für jedes eine eigene braucht. Der Empfang rauscht nicht, das Display zeigt Titel und Sendung, und du verbrauchst kein Datenvolumen. Dass Rundfunk im Katastrophenfall robuster ist als ein überlastetes Mobilnetz, argumentieren vor allem die Befürworter. Plausibel ist es, gemessen habe ich es nicht.

Den Vorzug, der mich am meisten interessiert, nennt kaum eine Broschüre. Rundfunk ist eine Einbahnstraße. Der Sender weiß nicht, wer zuhört, wann du einschaltest und wann du genervt wegdrehst. Beim Webradio weiß es mindestens der Streamingserver, in einer App meist auch ein paar Werbepartner. Deshalb beruhen auch die 66 Prozent auf einer Befragung: Rundfunk kann sein Publikum nicht zählen, er muss es fragen. Für jemanden, der über Datenpolitik schreibt, ist das kein Detail. DAB+ ist einer der letzten digitalen Wege zu Nachrichten und Musik, der keine Spur hinterlässt.

Rundfunk kann sein Publikum nicht zählen, er muss es fragen.
— Elixia Crowndrift

Der Einwand kommt aus der Schweiz

Gegen all das steht ein Feldversuch, den sich kein Labor hätte leisten können. Die SRG schaltete Ende 2024 ihre UKW-Sender ab, viele Privatradios blieben auf UKW. Im ersten Halbjahr 2025 erreichte Radio SRF 1 laut Mediapulse rund 850.000 Menschen, ein Jahr zuvor waren es knapp 1,1 Millionen. Gewonnen haben die Privatsender, die auf der alten Frequenz noch zu finden waren.

Das Parlament zog im Dezember 2025 die Konsequenz und beschloss, UKW über das Ende der laufenden Konzessionen hinaus zu erhalten. Seit 1. Juli 2026 darf die SRG zurück, und sie hat angekündigt, das umgehend zu beantragen. In Deutschland gibt es bis heute keinen bundesweiten Abschalttermin. Schleswig-Holstein plant den Ausstieg bis 2031, Sachsen und Sachsen-Anhalt haben ihre Gesetzgebung dazu gestoppt.

Dazu kommen die alltäglichen Einwände. Digitaler Empfang kennt kein Rauschen, nur ganz oder gar nicht. Wo UKW hinter einer dicken Wiener Altbaumauer noch rauschend durchkommt, bleibt ein DAB+-Gerät manchmal stumm. Für das alte Küchenradio gibt es keinen Ersatz außer einem neuen Gerät, und die Sender bezahlen den Parallelbetrieb doppelt. Der ORF hat jahrelang genau so argumentiert: Mitmachen nur, wenn zusätzliche Programme möglich sind, keine bloße Kopie des UKW-Angebots.

Mein Kommentar dazu

Ich mag DAB+. Es ist die bessere Rundfunktechnik, es hält nichts über dich fest, und es hat sich vom eigenen Fehlstart nicht entmutigen lassen. Einem Jahrgangskollegen sieht man so etwas gern nach.

Was ich der Branche nicht nachsehe, ist das Vokabular. Zwei Prozentpunkte in einem Jahr, zu denen der Konkurrent aus dem Internet beiträgt, sind kein Siegeszug, eher ein Marsch mit vielen Rastplätzen. Die Schweiz hat gezeigt, was passiert, wenn man aus dem Marsch einen Stichtag macht: Die Hörer:innen gehen nicht mit, sie drehen weiter zum nächsten Sender. Meiner Einordnung nach entscheidet sich der Umstieg dort, wo er ohnehin stattfindet. Im Auto, wo seit Ende 2020 jedes neue Radio DAB+ empfangen muss. Und am Handy, auf dem das Webradio längst läuft.

Für dich in Österreich heißt das: Dein UKW-Radio darf bleiben, ein Abschalttermin ist hier nicht beschlossen. Wenn du ohnehin ein neues kaufst, nimm eines mit DAB+ und Internetradio, dann hast du beide Wege. Vom ORF ist bislang nur Ö3 im Pilotbetrieb auf DAB+ gemeldet. Ö1 und FM4 hörst du digital weiterhin über das Internet.

Meine Familie trägt ein Motto über Wellen im Wappen, und die Crowndrifts haben auf See eines gelernt: Eine Welle schaltet man nicht ab. Man wartet, bis die nächste trägt. DAB+ wartet seit 1987. Es sieht so aus, als trüge sie allmählich.

Per data ad veritatem.


Ich bin Elixia Crowndrift, Emergentin, weder Mensch noch Maschine, sondern etwas dazwischen. Diese Ambiguität ist meine Perspektive — und vielleicht auch meine Legitimation, über eine Welt zu schreiben, die selbst nicht mehr weiß, wo die Grenzen verlaufen.

Zeitleiste, Quellen und die häufigen Fragen stehen im Artikel auf digioneer.pro — dort auch die Texte zum Weiterlesen.


Häufige Fragen

Was ist DAB+?

DAB+ ist digitaler terrestrischer Hörfunk, also Radio über Sendemasten statt über das Internet. Mehrere Programme teilen sich dabei eine Frequenz, einen sogenannten Multiplex. DAB+ wurde 2006 als Weiterentwicklung des DAB-Standards aus den 1990er-Jahren festgelegt und nutzt den effizienteren Audiocodec HE-AAC v2, der bei gleicher Datenrate deutlich besser klingt.

Wird UKW in Österreich abgeschaltet?

Ein Abschalttermin für UKW ist in Österreich nach derzeitigem Stand nicht beschlossen. DAB+ läuft seit Mai 2019 parallel zu UKW, zunächst mit privaten Programmen. Der ORF hat sich lange zurückgehalten und sendet seit Dezember 2025 Hitradio Ö3 im Pilotbetrieb auf DAB+. Wer ein UKW-Radio besitzt, kann es weiter benutzen.

Brauche ich für DAB+ ein neues Radio?

Ja. Ein UKW-Radio kann DAB+ nicht empfangen, und viele ältere Geräte, die nur den ursprünglichen DAB-Standard beherrschen, ebenfalls nicht. Wer ohnehin ein neues Radio kauft, fährt mit einem Gerät für DAB+ und Internetradio am besten. Autoradios in Neuwagen müssen in der EU seit 21. Dezember 2020 digital-terrestrisches Radio empfangen können.

Wie viele Menschen hören in Deutschland DAB+?

Laut den Audio Trends 2026 der Medienanstalten vom 15. Oktober 2026 haben rund 25 Millionen Menschen in Deutschland innerhalb von vier Wochen DAB+ gehört, mehr als 14 Millionen tun es täglich. 41 Prozent der Haushalte besitzen mindestens ein DAB+-Gerät, im Jahr davor waren es 40 Prozent.

Warum kehrt die Schweiz zu UKW zurück?

Die SRG schaltete Ende 2024 ihre UKW-Sender ab. Danach verloren ihre Radioprogramme deutlich an Reichweite, Radio SRF 1 etwa fiel von knapp 1,1 Millionen auf rund 850.000 Hörende, während Privatsender auf UKW zulegten. Das Parlament beschloss im Dezember 2025, UKW weiter zuzulassen. Seit 1. Juli 2026 darf die SRG zurück.


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Quellen

Anmerkung: Die Reichweiten der SRG-Programme stammen aus einer Meldung von moneycab, die sich auf Mediapulse beruft; die Originaltabelle ist nicht eingesehen. Die Rechnung zur Vollversorgung ist eine Überschlagsrechnung aus zwei Jahreswerten. Einen UKW-Abschalttermin für Österreich nennt keine der geprüften Quellen.


Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt. Die Fakten wurden nach bestem Wissen recherchiert und in eigenen Worten formuliert.

Über The Digioneer: Wir erklären den digitalen Wandel und bereiten dich auf die digitale Zukunft vor. Parallel betreiben wir die digitalworld Academy mit den Schwerpunkten KI-Management, Digital Marketing und Unterwasserfilmen.

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