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Zu Weihnachten mit der Holzeisenbahn spielen
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Weihnachten in Österreich. Eine Bestandsaufnahme

In der Vergangenheit war es die Einfachheit, die das Weihnachtsfest in Österreich auszeichnete. Die Freude über kleine, oft handgemachte Geschenke, die gemeinsamen Rituale und das besinnliche Beisammensein standen im Mittelpunkt.

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Introduction

Weihnachten als Spiegel der Zeit

Wenn wir die Festtage betrachten, scheint Weihnachten wie eine Bühne, auf der sich der Wandel der Zeiten spiegelt. In Österreich, wie auch anderswo, hat sich das Weihnachtsfest in den letzten 60 Jahren erheblich gewandelt – ein Wandel, der sowohl die kulturellen Bräuche als auch die wirtschaftlichen Bedingungen widerspiegelt. Was einst ein Fest der Besinnung und der Familie war, hat sich in mancher Hinsicht zu einer Zeit des verstärkten Konsums entwickelt. Doch in diesem Prozess des Wandels liegen auch Erzählungen von Beständigkeit und der Rückbesinnung auf traditionelle Werte.

Die 1960er Jahre in Österreich waren von einem starken Nachkriegsgefühl und dem Wiederaufbau geprägt. Weihnachten war ein Fest, das im engen Kreis gefeiert wurde, mit selbstgemachten Geschenken und einer starken kirchlichen Prägung. In den Jahrzehnten, die folgten, erlebte das Land jedoch einen erheblichen wirtschaftlichen Aufschwung. Globale Trends erfassten auch die alpine Republik, und mit ihnen wandelte sich das Bild des Weihnachtsfests.

Mit der Globalisierung und dem Einzug der Massenproduktion wanderte der Fokus zunehmend vom besinnlichen Beisammensein hin zu einer kommerziell geprägten Geschenkkultur. Weihnachten wurde zu einer Zeit, in der die Wirtschaft einen bedeutenden Umsatz erzielte. Es ist bemerkenswert, wie die globalen wirtschaftlichen Entwicklungen – von der Ölkrise über die Digitalisierung bis hin zur Finanzkrise 2008 – ihren Widerhall auch in den weihnachtlichen Traditionen fanden.

Es ist diese Verflechtung von Kultur und Ökonomie, die Weihnachten in Österreich zu einem faszinierenden Spiegel der Zeit macht. Die Veränderungen der Festtagskultur erzählen eine Geschichte des Landes, seiner Menschen und ihrer Anpassung an die Welt um sie herum. In diesem Artikel werden wir auf diese Reise gehen – eine Reise durch die Vergangenheit des Weihnachtsfests, die uns vielleicht auch etwas über unsere Gegenwart und Zukunft verrät.

Die 1960er bis 1980er: Tradition und Bescheidenheit

Die 1960er Jahre in Österreich waren von einem Gefühl der Erneuerung und des Aufbaus geprägt. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erlebte das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung, der jedoch noch nicht von der späteren Konsumorientierung gezeichnet war. Weihnachten war in dieser Zeit geprägt von Traditionen und einer bescheidenen Feierlichkeit. Die Menschen legten Wert auf das Zusammensein und den Austausch von oft selbstgemachten Geschenken. Statt der großen kommerziellen Geschenkeflut standen die kirchlichen Feiern und familiären Rituale im Vordergrund.

In den 1970er Jahren, gezeichnet durch die Ölkrise und wirtschaftliche Unsicherheiten, blieb man in Österreich weitgehend treu gegenüber den überlieferten Weihnachtsbräuchen. Die Festtage waren eine Zeit, in der man innehielt und den materiellen Beschränkungen zum Trotz das Beisammensein zelebrierte. Die Kirche hatte weiterhin einen starken Einfluss auf die Gestaltung des Weihnachtsfests, und die Feiertage waren noch immer stark religiös und kulturell verwurzelt.

Wer kennt noch: stillen Nacht, heilige Nacht?
Singen zu Weihnachten... Weihnachtslieder!

Das folgende Jahrzehnt brachte dann die 1980er Jahre, die in Österreich durch wirtschaftliche Liberalisierung und zunehmenden Wohlstand charakterisiert waren. Trotzdem war Weihnachten immer noch ein Fest, das mehr von Besinnlichkeit als von Prunk geprägt war. Die Feiertage waren ein Ankerpunkt der Ruhe und Bescheidenheit in einer sich schnell verändernden Welt. Der Konsum war zwar angestiegen, aber noch nicht in dem Maße, wie es später der Fall sein sollte. Es herrschte eine Balance zwischen den modernen Einflüssen einer wachsenden Wirtschaft und der Bewahrung traditioneller Werte.

Österreichs Weihnachten in dieser Periode spiegelte einen gesellschaftlichen Konsens wider, der die Bedeutung von Gemeinschaft, Familie und Glauben über materiellen Reichtum stellte. Dies zeigt sich auch in der Beliebtheit von Weihnachtsmärkten, die traditionelles Handwerk und regionale Spezialitäten anboten und wo der Geist der Gemeinschaft und des gemeinsamen Feierns erfahrbar war. Insgesamt waren die 1960er bis 1980er Jahre in Österreich eine Zeit, in der Weihnachten noch weitgehend von Bescheidenheit und dem Wunsch nach einer authentischen Festkultur bestimmt war.

Die 1990er bis 2000er: Aufkommen der Konsumgesellschaft

Die 1990er Jahre markierten eine signifikante Zäsur in der österreichischen Weihnachtstradition. Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs öffnete sich Österreich zunehmend dem globalen Markt und seinen Einflüssen. Die aufkommende Konsumgesellschaft begann, das Weihnachtsfest zu prägen. In einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs, der durch den EU-Beitritt Österreichs 1995 weiter befeuert wurde, stieg auch die Kaufkraft der Bevölkerung deutlich. Geschäfte und Einkaufszentren blühten auf, und die Weihnachtszeit verwandelte sich schrittweise in eine Hochphase des Konsums.

Der Wandel zeigte sich unter anderem in der Art und Weise, wie Geschenke ausgewählt und gekauft wurden. Waren es zuvor oft handgefertigte oder sorgsam ausgesuchte Präsente, die den Geist der Weihnacht transportierten, so trat nun die Quantität und Markenqualität der Geschenke in den Vordergrund. Spielzeug, Elektronik und Modeartikel wurden zu den beliebtesten Geschenken unter dem Weihnachtsbaum. Die Werbeindustrie tat ihr Übriges, um den Wunsch nach immer mehr und immer neueren Produkten zu schüren.

Parallel dazu erlebte die Unterhaltungsindustrie einen Boom. Weihnachtsfilme und -musik wurden zu einem festen Bestandteil der vorweihnachtlichen Zeit und trugen dazu bei, die Stimmung für das Fest zu setzen – und den Konsumanreiz zu verstärken.

Aber auch die Globalisierung hinterließ ihre Spuren. Die Öffnung der Märkte führte zu einer größeren Verfügbarkeit internationaler Waren. Das Weihnachtsangebot in den Geschäften wurde vielfältiger, und Produkte aus aller Welt fanden ihren Weg in die österreichischen Wohnzimmer. Traditionelle Weihnachtsmärkte bekamen Konkurrenz durch internationale Weihnachtsshopping-Events wie den Black Friday, der gegen Ende der 2000er Jahre seinen Weg nach Österreich fand.

Die Wende zum neuen Jahrtausend brachte zusätzlich die digitale Revolution. Das Internet begann, das Einkaufsverhalten weiter zu transformieren. Der E-Commerce stieg auf und ermöglichte es den Konsumentinnen und Konsumenten, Geschenke bequem von zu Hause aus zu bestellen. Das Online-Shopping trug dazu bei, dass sich der Fokus von lokalen Geschäften hin zu internationalen Plattformen verschob, was den lokalen Einzelhandel vor Herausforderungen stellte.

Die Weihnachtszeit in den 1990er bis 2000er Jahren in Österreich war somit eine Zeit des Übergangs: von traditionellen, bescheidenen Feiern hin zu einem immer stärker kommerzialisierten Fest, das sich in das globale wirtschaftliche Geschehen einreihte. Die Vorweihnachtszeit wurde zunehmend zu einer Zeit des geschäftigen Treibens, während die stille Besinnlichkeit in den Hintergrund trat. Dieser kulturelle Wandel warf Fragen auf nach der Balance zwischen Konsum und Tradition und nach dem eigentlichen Kern des Weihnachtsfests, die bis in die heutige Zeit nachwirken.

Die 2010er bis heute: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Traditionen einem steten Wandel unterliegen, der durch sozioökonomische und technologische Veränderungen vorangetrieben wird. Die 2010er Jahre in Österreich sind ein Paradebeispiel für die fortschreitende Digitalisierung und das steigende Bewusstsein für Nachhaltigkeit – zwei Trends, die auch das Weihnachtsfest beeinflussen.

Die Digitalisierung hat das Weihnachtsfest in vielerlei Hinsicht transformiert. Online-Shopping-Portale und soziale Netzwerke haben die Art und Weise, wie wir Geschenke kaufen und Weihnachtsgrüße übermitteln, grundlegend verändert. Die Möglichkeit, Produkte aus der ganzen Welt zu bestellen und diese direkt nach Hause geliefert zu bekommen, hat den Geschenkekauf vereinfacht und gleichzeitig den lokalen Einzelhandel unter Druck gesetzt. Weihnachten ist in der digitalen Welt omnipräsent geworden – Angebote und Werbung begleiten uns durch die Adventszeit, sobald wir online gehen.

Konsum ohne Ende.
Shopping für die Lieben...

Gleichzeitig hat das wachsende Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu einem Umdenken in der Gesellschaft geführt. Themen wie übermäßiger Konsum, Plastikmüll und CO2-Fußabdruck werden auch im Kontext des Weihnachtsfests diskutiert. In Österreich, einem Land, das seine Naturschönheiten und grünen Landschaften schätzt, gewinnen nachhaltige Weihnachtsgeschenke, biologisch abbaubare Dekorationen und regionale Weihnachtsmärkte wieder an Bedeutung. Die Menschen sind bestrebt, das Fest umweltfreundlicher zu gestalten, indem sie beispielsweise auf wiederverwendbare Verpackungen setzen und lokale Produkte bevorzugen.

Es geht um das Zusammenkommen von Familien und Freunden, um das Teilen von Liebe und Freude, nicht nur durch materielle Gaben, sondern auch durch Zeit und Aufmerksamkeit füreinander.

Diese Entwicklungen zeigen, dass Weihnachten in Österreich nicht nur eine Zeit des Gebens und des Zusammenseins ist, sondern auch ein Fest, das zunehmend von persönlichen Werten und Überzeugungen geprägt wird. Die Digitalisierung ermöglicht es, über Grenzen hinweg in Kontakt zu bleiben und gleichzeitig die Weihnachtseinkäufe bequemer zu gestalten. Andererseits ruft das steigende Umweltbewusstsein die Menschen dazu auf, die Feiertage bewusster zu erleben und zu gestalten.

Die Weihnachtszeit in den 2010er Jahren und darüber hinaus spiegelt somit den Spagat zwischen technologischem Fortschritt und der Sehnsucht nach einer nachhaltigen und bedeutungsvollen Gestaltung des Festes wider. Es ist ein Zeichen dafür, dass auch in einer sich schnell wandelnden Welt das Bedürfnis nach tiefgründigeren Werten und nachhaltigem Handeln weiterhin Bestand hat. In diesem Kontext wird Weihnachten zu einer Zeit, in der alte und neue Bräuche, digitaler Fortschritt und ökologische Verantwortung aufeinandertreffen und gemeinsam den Weg in die Zukunft weisen.

Die ökonomische Perspektive: Weihnachten als Wirtschaftsfaktor

Weihnachten ist nicht nur ein Fest der Liebe und Besinnlichkeit, sondern es hat sich auch zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. In Österreich, wie auch global, beeinflusst das weihnachtliche Treiben den Handel und die Industrie maßgeblich. Die Festtage generieren einen signifikanten Anteil des Jahresumsatzes im Einzelhandel, und die Vorbereitungen dafür beginnen oft schon Monate im Voraus.

In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat sich die ökonomische Bedeutung von Weihnachten erheblich verstärkt. Die Zeit der Adventsmärkte und Weihnachtsbasare, die einst von Handwerkskunst und lokalen Delikatessen geprägt waren, hat sich zu einem globalen Handelsereignis gewandelt. Die großen Einkaufszentren und Online-Marktplätze verzeichnen in dieser Zeit Rekordverkäufe. Geschenke, Dekorationen und festliche Lebensmittel werden in enormen Mengen verkauft, und viele Einzelhändler erzielen in diesen Wochen einen wesentlichen Teil ihres Jahresgewinns.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Weihnachten zeigt sich auch in der Beschäftigungslage. Saisonarbeitskräfte werden eingestellt, um der gesteigerten Nachfrage gerecht zu werden, und Kurierdienste erleben einen Anstieg des Versandaufkommens. Die Werbebranche erlebt ebenfalls eine Hochphase, da Unternehmen um die Aufmerksamkeit der Konsumentinnen und Konsumenten konkurrieren.

Die Verflechtung von Weihnachten mit der globalen Wirtschaft wird besonders deutlich, wenn man die Lieferketten betrachtet. Viele der Produkte, die unter österreichischen Weihnachtsbäumen landen, haben eine lange Reise hinter sich. Die Globalisierung ermöglicht es, dass Spielzeug aus Asien, Mode aus Amerika und Elektronik aus verschiedenen Teilen der Welt zu relativ günstigen Preisen verfügbar sind. Diese internationale Dimension des Weihnachtskonsums wirft jedoch auch Fragen auf bezüglich fairer Arbeitsbedingungen, nachhaltiger Produktion und der ökologischen Bilanz des Festes.

In jüngerer Vergangenheit hat sich der Trend zu mehr Nachhaltigkeit und ökologischem Bewusstsein auch in den wirtschaftlichen Dimensionen von Weihnachten niedergeschlagen. Konsumenten achten vermehrt auf die Herkunft und die Umweltverträglichkeit der Produkte. Dies hat zu einer Zunahme von lokalen und nachhaltigen Weihnachtsmärkten geführt, die Regionales und Handgemachtes in den Mittelpunkt rücken. Der Wunsch vieler Menschen, Weihnachten wieder bewusster und authentischer zu begehen, könnte in Zukunft auch ökonomische Strukturen beeinflussen.

Die ökonomische Perspektive auf Weihnachten zeigt eine Entwicklung von einem besinnlichen Fest hin zu einem zentralen Ereignis in der Konsumlandschaft. Dennoch bleibt die Frage offen, wie sich dieser Trend weiterentwickeln wird und ob sich ein stärkeres Bewusstsein für Nachhaltigkeit auch in den wirtschaftlichen Aspekten des Festes etablieren kann. Eines ist jedoch klar: Die wirtschaftliche Bedeutung von Weihnachten ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und ihrer Werte, und sie wird sich weiterhin im Einklang mit diesen verändern.

Reflexion: Sinn und Zweck von Weihnachten

Die Reflexion auf Weihnachten in Österreich, wie wir es heute kennen, verlangt von uns, über die glitzernden Lichterketten und die berauschende Konsumwelt hinauszublicken. Es fordert uns auf, uns mit dem eigentlichen Kern des Festes auseinanderzusetzen, der im Trubel des Geschenkekaufens und der Festtagsvorbereitungen oft in den Hintergrund gerät.

Weihnachten, einst ein Fest der christlichen Besinnlichkeit, ist zu einem Synonym für Konsum und Wirtschaftswachstum geworden. Doch darf diese Entwicklung uns nicht den Blick dafür verstellen, dass die wahre Bedeutung dieses Festes tiefer liegt. Es geht um das Zusammenkommen von Familien und Freunden, um das Teilen von Liebe und Freude, nicht nur durch materielle Gaben, sondern auch durch Zeit und Aufmerksamkeit füreinander.

In der Vergangenheit war es die Einfachheit, die das Weihnachtsfest in Österreich auszeichnete. Die Freude über kleine, oft handgemachte Geschenke, die gemeinsamen Rituale und das besinnliche Beisammensein standen im Mittelpunkt. Dieser Geist des Gebens und der Gemeinschaft lässt sich nicht in Zahlen ausdrücken und ist nicht käuflich zu erwerben.

Die heutige Zeit, geprägt von Schnelllebigkeit und einer Flut von Informationen und Produkten, bringt jedoch auch neue Herausforderungen mit sich. Es wird immer schwieriger, innezuhalten und die Stille zu suchen, die uns ermöglicht, über den Sinn des Lebens und die wahren Werte, die wir pflegen wollen, nachzudenken.

Weihnachten könnte eine Gelegenheit sein, diese Werte neu zu beleben. Es könnte ein Anstoß dafür sein, eine Balance zwischen Tradition und Moderne zu finden, zwischen dem Bewahren von Bräuchen und dem Öffnen für neue Wege. Vielleicht ist es an der Zeit, die Weihnachtszeit als Chance zu begreifen, nicht nur das eigene Leben, sondern auch das der Gemeinschaft zu bereichern.

Es ist wichtig, sich zu fragen, welche Botschaften wir durch die Art und Weise, wie wir Weihnachten feiern, an die nächste Generation weitergeben. Befassen wir uns mit der Qualität unseres Zusammenlebens und dem Mehrwert, den wir für die Gesellschaft schaffen, oder bleibt unser Fokus auf den materiellen Aspekten des Festes haften?

Das Nachdenken über den Sinn und Zweck von Weihnachten in Österreich ist somit mehr als eine nostalgische Rückschau auf vergangene Zeiten. Es ist ein Aufruf, im Hier und Jetzt bewusste Entscheidungen zu treffen, die nicht nur unserem individuellen Wohl, sondern auch dem Wohl unserer Umwelt und Mitmenschen dienen. Es ist eine Einladung, die Weihnachtszeit als einen Moment zu betrachten, in dem wir uns wieder auf das Wesentliche besinnen können – auf die Liebe, die Gemeinschaft und die Hoffnung, die dieses Fest in seinen besten Momenten zum Ausdruck bringt.

Ausblick: Wie könnte die Zukunft von Weihnachten aussehen?

In den flackernden Kerzen des Advents spiegelt sich nicht nur die Vergangenheit, sondern auch der Schein einer ungewissen Zukunft. Wie wird Weihnachten in Österreich in den kommenden Jahrzehnten aussehen? Der Blick in die Glaskugel mag verschwommen sein, doch einige gesellschaftliche Strömungen weisen uns den Weg.

Die Digitalisierung wird zweifellos weiter voranschreiten und das Weihnachtsfest weiter verändern. Vielleicht werden wir mit Hilfe von Augmented Reality virtuelle Weihnachtsmärkte besuchen, die das Erlebnis des Stöberns und Kaufens in neue Dimensionen führen. Künstliche Intelligenz könnte personalisierte Geschenkvorschläge machen, die auf den Vorlieben unserer Liebsten basieren. Gleichzeitig könnten neue Technologien entstehen, die es uns ermöglichen, trotz physischer Distanz ein Gefühl von Nähe und Gemeinschaft zu schaffen.

Das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Besinnung auf ökologische Verantwortung könnten das Fest jedoch ebenso prägen. Stellen wir uns eine Weihnachtszeit vor, in der der Tausch von Erlebnissen und selbstgemachten Gaben gegenüber dem Kauf von Massenprodukten bevorzugt wird. Möglicherweise wird der Trend zu einer "grünen Weihnacht" stärker und führt zu einem erhöhten Angebot an umweltfreundlichen Produkten und weniger verschwenderischen Festtagsdekorationen.

Das soziale Bewusstsein könnte ebenfalls eine größere Rolle spielen. Konsumenten könnten Unternehmen bevorzugen, die faire Arbeitsbedingungen und gerechte Löhne unterstützen. Vielleicht wird das Weihnachtsfest auch eine noch stärkere karitative Komponente bekommen, bei der das Teilen und Helfen im Vordergrund steht und der Fokus auf zwischenmenschliche Solidarität gerichtet ist.

Die kulturelle Vielfalt, die in Österreichs Gesellschaft immer präsenter wird, könnte zu einer neuen Form des Festes führen, in der unterschiedliche Traditionen und Bräuche miteinander verwoben werden und Weihnachten zu einem integrativen Fest aller Kulturen wird. Diese Entwicklung könnte zu einem tieferen Verständnis und Austausch über die Bedeutung von Weihnachten weltweit führen.

Schließlich könnte die Zukunft von Weihnachten auch durch einen Rückgriff auf das Vergangene geprägt sein. Der Wunsch nach Entschleunigung und Entkommerzialisierung könnte die Menschen dazu bringen, alte Traditionen wiederzubeleben und das Fest in einer einfacheren, aber tieferen Form zu feiern. Vielleicht wird die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden, das Singen von Weihnachtsliedern und das Erzählen von Geschichten am Lagerfeuer wieder zum Inbegriff des Weihnachtserlebnisses.

Die Zukunft von Weihnachten in Österreich hängt von den Werten und Entscheidungen ab, die wir als Gesellschaft treffen. Sie ist ein Spiegelbild dessen, was uns wichtig ist und wie wir unser Zusammenleben gestalten wollen. In dieser besinnlichen Zeit des Jahres könnten wir die Möglichkeit finden, das Gute aus Vergangenheit und Gegenwart zu bewahren und mit Hoffnung und Zuversicht in die Zukunft zu blicken.