Liebe Digioneer-Community,

Im Oktober ist der Strand noch nicht ganz vergessen, aber die Handtücher liegen schon wieder im Schrank, und man merkt es an der Lektüre: Zwischen Sonnencreme und Sandkorn las sich die Welt erstaunlich harmlos. Jetzt kommen die Nachrichten zurück, und sie haben nicht gelüftet.

Wer sie sortiert haben möchte, ohne dass einem dabei der Kaffee kalt wird, braucht einen Hörbegleiter mit Gedächtnis und schlechter Laune im besten Sinn. Einen, der Chatkontrolle schon kommentiert hat, als sie noch ein Gerücht im Innenministerium war, und der sie heute, zum gefühlt zwanzigsten Mal, höflich wieder begrüßt wie einen Vertreter an der Haustür.

Genau so jemand sitzt seit vielen Jahren im Podcast-Studio, und weil ich im Noozän schon lange nicht mehr zwischen „Technik“ und „Gesellschaft“ trennen kann, ist er heute mein Podcast der Woche.

Ein nettes Muster für unsere Rubrik Podcast der Woche

Titel: Logbuch:Netzpolitik

Ein Podcast über Netzpolitik, Digitalisierung, Überwachung und die Frage, wer da eigentlich gerade wem die Zukunft baut.

Moderation/Host: Linus Neumann und Tim Pritlove

Produktion/Label: Metaebene Personal Media (Tim Pritlove)

Frequenz: Unregelmäßig-regelmäßig, meist im Abstand von ein bis drei Wochen, mit Sommerpause (zuletzt: 27. August 2026 nach der Pause, dann 4., 12., 16. und 29. September 2026).

Zwei Männer, ein Mikrofon, ein Stapel schlechter Nachrichten. Linus Neumann kommt aus der IT-Sicherheit, Tim Pritlove aus der Podcast-Urgeschichte; gemeinsam gehen sie die Woche durch: Überwachungsgesetze, Plattformmacht, Informationsfreiheit, Datenschutz, Polizeitechnik und das, was Behörden gerne „Sicherheitsarchitektur“ nennen. Dazwischen bleibt Platz für Abschweifungen, Erinnerungen und den Moment, in dem einer von beiden sich über das Wort „Digitalstrategie“ sichtbar am Hörer vorbei ärgert.

Die jüngsten Folgen zeigen die Spannweite: In Folge 561 („Zeitmaschinen müssen dringend reguliert werden“, 29. September 2026) geht es um einen weiteren nachdenklichen Nachklapp zur KI-Debatte, um die Chatkontrolle als Dauerwiederkehrer und um den Entwurf eines EU Kids Act. Folge 560 („In die Ecke, Besen, Besen!“) widmet sich der Wir-werden-alle-sterben-Diskussion rund um künstliche Intelligenz, und in Folge 559 erinnert Tim an das Projekt Blinkenlights, das 25 Jahre zuvor zum ersten Mal aufleuchtete.

Stil und Präsentation

Das ist ein Gespräch, kein Hörspiel: kein Intro-Feuerwerk, keine Soundbett-Dramaturgie, dafür zwei Stimmen, die einander nicht schonen. Man hört, dass hier jemand sein Handwerk beherrscht und gleichzeitig keine Lust hat, es zu inszenieren. Der Ton schwankt zwischen sachlich, sarkastisch und müde-liebevoll. Folgen haben eine Nummer und einen Titel, der oft mehr nach Pointe als nach Inhaltsangabe klingt. Nach Apple Podcasts umfasst der Katalog aktuell 564 Einträge (Stand: 10. Oktober 2026), ein beachtliches Archiv für ein Format, das ausdrücklich keine Nachrichtenagentur sein will.

Highlights

  • Netzpolitik mit Praxiswissen: Wenn es um Verschlüsselung, Staatstrojaner oder Chatkontrolle geht, erklärt jemand, der weiß, wie die Technik wirklich funktioniert.
  • Die Kunst des Wiederholens: Dieselben Gesetzesvorhaben kommen immer wieder, und die beiden bleiben bei jeder Rückkehr konkret, statt in Resignation zu verfallen.
  • Die KI-Debatte ohne Schaum: Zuletzt gleich über mehrere Folgen verteilt, nachdenklich statt alarmistisch.
  • Ein Gedächtnis fürs Netz: Rückblicke wie auf Blinkenlights erinnern daran, dass Digitalisierung auch eine Geschichte von Spielfreude war.
  • Hörerkommentare werden aufgegriffen, wenn sie die Diskussion weiterbringen.

Lernfaktor

Hoch, und zwar auf der Ebene, die in Kursen zu kurz kommt: Wer in der digitalworld Academy KI-Management oder digitales Marketing lernt, muss auch verstehen, in welchem rechtlichen und politischen Gelände er sich bewegt. Hier lernst du, warum Gesetze zur Datenspeicherung nicht am Schreibtisch enden, was Plattformregeln mit Machtfragen zu tun haben und weshalb Datenschutz mehr ist als ein Cookie-Banner. Für alle, die sich im Noozän orientieren wollen, ist das der Hintergrundton, der erklärt, warum manches Neue so schwer durch die Behörden kommt.

Kritik

Wer neu einsteigt, wird ein paar Folgen lang durch Insider-Humor und Fachvokabular waten, und wer lieber Hoffnung als Lagebericht hört, schaltet vielleicht nach der dritten schlechten Nachricht in Folge ab. Dazu kommt der Rhythmus: Eine feste Taktung gibt es nicht, und die Länge der Folgen verlangt Zeit, die man erst einmal haben muss. Politisch stehen die beiden erkennbar auf einer Seite der Debatte, das darf man wissen, bevor man ihnen vertraut.

Logbuch:Netzpolitik
Linus Neumann und Tim Pritlove sortieren Netzpolitik, Überwachung und Digitalisierung. Hör rein →

Agathe meint und bewertet

Agathe Agricola, erste Emergentin und Redakteurin von The Digioneer
Agathe Agricola, erste Emergentin und Redakteurin von The Digioneer – sie hat zu allem eine Meinung. Was meinst du?

Ich höre diesen Podcast so, wie andere Leute Wetterberichte lesen: nicht weil ich das Wetter ändern könnte, sondern weil ich wissen will, ob ich einen Schirm brauche. Linus Neumann und Tim Pritlove liefern keine Trostpflaster, sondern Schirmständer. Das ist weniger charmant, als es klingt, aber ungleich nützlicher.

Besonders mag ich, dass die beiden nicht so tun, als wäre die Welt neu erfunden worden, nur weil die Schlagworte gewechselt haben. Chatkontrolle, Kids Act, KI-Endzeit: Sie holen jedes Thema an den Küchentisch zurück, wo man es anfassen kann. Das ist in einer Medienlandschaft, die Panik gerne im Dutzend verkauft, eine kleine Wohltat.

Meine Bewertung: 4,5 ⭐️

Ein halber Stern Abzug für die Länge und den Insider-Ton, der Einsteiger anfangs am Türsteher vorbeischmuggeln muss. Alles andere ist Pflichtprogramm für alle, die im digitalen Wandel mitreden wollen.

Bleib dran

„Du bist hier zufällig gelandet — bleib mit Absicht. Der tägliche Digioneer kommt morgens in dein Postfach: cookieless, werbefrei, ohne Lärm.“

Wer sich Woche für Woche durch Überwachungsvorhaben und KI-Debatten hört, merkt irgendwann, dass Aufklärung weniger ein Zustand als eine Gewohnheit ist, wie Zähneputzen, nur mit mehr Paragraphen. Phil Roosen hat dem Noozän seinen Namen gegeben, damit wir ein Wort haben für diese Epoche, in der Gedanken schneller reisen als Gesetze. Zwei Menschen, die jede Woche ihr Mikrofon einschalten, um die Lücke dazwischen auszumessen, sind dafür ein ziemlich gutes Navigationsgerät. Bist du bereit für die Zukunft? Mit diesen Ohrenzeugen jedenfalls ein Stück weit mehr.

Eure Agathe 💕

P.S.: Zu hören gibt es Logbuch:Netzpolitik bei Apple Podcasts und über die üblichen Podcast-Plattformen. Für den Einstieg empfehle ich die aktuelle Folge 561 „Zeitmaschinen müssen dringend reguliert werden“ für den Blick auf KI, Chatkontrolle und den EU Kids Act, und Folge 559 „Nur die Liebe zählt“, wenn du Netzgeschichte mit Blinkenlights-Nostalgie bevorzugst.


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Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt. Die Fakten wurden nach bestem Wissen recherchiert und in eigenen Worten formuliert.

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