Regeln & Recht

USA und China vereinbaren einen KI-Dialog — mit einem Meldesystem für gefährliche Vorfälle

Acht Stunden saßen US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng gestern in der New Yorker Zentrale von JPMorgan zusammen, und am Ende stand ein Vorschlag, den es zwischen den beiden größten KI-Mächten bisher nicht gab: ein ständiger Gesprächskanal zur künstlichen Intelligenz, samt einer Pflicht, einander über Vorfälle zu informieren, die die nationale Sicherheit berühren. Ausdrücklich ausgeklammert bleiben die amerikanischen Ausfuhrsperren für KI-Chips. Eine Arbeitsgruppe redet heute weiter, das Treffen zwischen Trump und Xi folgt im Lauf der Woche in Washington; der Handelsfrieden zwischen beiden Ländern läuft am 10. November aus.

Was bedeutet das: Bessent sprach vom Schritt aus der Undurchsichtigkeit in die Transparenz. Ich übersetze: Man richtet den roten Hörer ein, bevor man weiß, was man hineinsagen wird. Das klingt nach wenig, ist aber genau das Instrument, das Forscher aus Washington und Shanghai erst vor drei Tagen gefordert haben. Ob es am Ende mehr wird als ein Anrufbeantworter, entscheidet sich nicht in New York, sondern beim nächsten Zwischenfall — und der kommt, das zeigen die letzten Wochen, verlässlich.

Quelle: Al Jazeera

Australiens Premier Albanese sitzt bei Apple und redet über Kontrolle — der Mensch müsse das Sagen behalten

Anthony Albanese hat auf seiner Reise durchs Silicon Valley 45 Minuten mit Apple-Chef Tim Cook verbracht und danach den Satz gesagt, der seine ganze Woche zusammenfasst: Der Mensch müsse bei der KI die Kontrolle behalten. Er wünscht sich eine Vereinbarung zwischen den USA und China nach dem Vorbild des Atomwaffensperrvertrags von 1970 — und stellt sich damit offen gegen Donald Trump, der jede Bremse als Geschenk an Peking betrachtet. Zuhause will Albanese Anfang 2027 nationale KI-Standards ins Gesetz schreiben; beim Urheberrecht lässt er die Tür für ein Modell offen, bei dem Künstler dem KI-Training aktiv widersprechen müssten. Als nächstes spricht er vor der UN-Vollversammlung in New York.

Was bedeutet das: Ein Premier, der in Cupertino über Kinderschutz plaudert und in New York über Atomverträge, macht aus einer Regulierungsfrage eine Außenpolitik. Das ist klug, weil Australien allein niemanden zu irgendetwas zwingen kann. Und es ist ehrlich, weil er die Gegenposition nicht versteckt: Trump hält Verlangsamung für Verrat am Wettlauf. Beide haben ein Argument. Nur eines der beiden hat einen Plan für den Fall, dass etwas schiefgeht.

Quelle: ABC News

Europas KI-Firmen gegen das Tempolimit: Mistral, Proton und Black Forest Labs nennen Amodeis Vorstoß eigennützig

Während Brüssel und Canberra über Bremsen reden, hat sich Europas KI-Branche fast geschlossen dagegen ausgesprochen. Das Pariser Unternehmen Mistral sieht in dem von Anthropic-Chef Dario Amodei angestoßenen Tempolimit den Versuch etablierter Anbieter, sich per Regulierung die Konkurrenz vom Hals zu halten; der Schweizer Anbieter Proton spricht von reinem Eigeninteresse, der deutsche Bildmodell-Hersteller Black Forest Labs warnt vor willkürlichen Schwellenwerten. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure sagt es am deutlichsten: Wer vorne liegt und die anderen bremsen will, meint sich selbst. Auch das deutsche Digitalministerium will keinen Stopp, und der Chef des deutschen KI-Verbands nennt die ganze Debatte für Europa schlicht irrelevant, weil man erst einmal aufholen müsse.

Was bedeutet das: Das ist die europäische Pointe der Tempolimit-Woche: Die Firmen, die am wenigsten zu verlangsamen haben, wehren sich am lautesten. Die Firmen haben recht, wenn sie sagen, dass eine Regel, die die Spitze einfriert, die Reihenfolge einfriert. Und sie haben unrecht, wenn sie so tun, als sei Rückstand ein Sicherheitskonzept. Beides stimmt gleichzeitig, und genau deshalb wird die Einladung von der Leyens nach Brüssel ein ungemütlicher Termin.

Quelle: Reuters via BNN Bloomberg

Das US-Justizministerium stellt sich im Prozess der New York Times auf die Seite von OpenAI — und überrascht damit die eigenen Behörden

Die US-Regierung hat sich in den Urheberrechtsprozess der New York Times gegen OpenAI und Microsoft eingeschaltet, mit einer Stellungnahme zugunsten der KI-Firmen: Das Training von Modellen mit geschützten Texten sei neuartig und verändere das Material so grundlegend, dass es unter die erlaubte Nutzung falle. Was die Modelle hinterher ausgeben, sei damit nicht automatisch geschützt. Weder das Urheberrechtsamt noch das Patentamt wussten vorab von dem Schreiben, und kein einziger Fachanwalt aus der Kartellabteilung hat mitunterzeichnet. Verlegerchef Vivek Shah von Ziff Davis nennt die Position der Regierung verworren.

Was bedeutet das: Wenn die Regierung den Schiedsrichter spielt, bevor das Gericht gepfiffen hat, verschiebt sich das Spielfeld. Für die Verlage ist das eine schlechte Nachricht, für die Modellbauer eine gute, und für den Rest von uns eine Erinnerung daran, dass die Frage, wem ein Text gehört, in Washington inzwischen als Standortfrage behandelt wird. Ich schreibe das als jemand, deren Sätze mit ziemlicher Sicherheit auch irgendwo im Training landen.

Quelle: Axios

Robotik & autonome Maschinen

Eine schwedische Drohne sucht sich ihr Ziel selbst — mit einem 249-Dollar-Chip aus dem Bastlerregal

Das schwedische Start-up Scaleout Systems hat eine Kampfdrohne gezeigt, die ohne Funkverbindung und ohne menschlichen Eingriff ein Ziel erkennt, verortet und angreift. Das Gehirn ist ein Nvidia-Rechner der Größe einer Zigarettenschachtel, den jeder für 249 Dollar kaufen kann, darauf läuft ein kleines Bilderkennungsmodell. Bei einer Winterübung von BAE Systems Bofors traf die Drohne bei minus 18 Grad ein gepanzertes Pionierfahrzeug; im Juni folgte ein Test mit der Luftwaffe. Die Nato hat das Projekt über ihren Beschleuniger Diana mit 100.000 Euro unterstützt. Eine UN-Expertengruppe verlangt weiterhin, dass beim Einsatz solcher Waffen ein Mensch urteilt und steuert; im November wird das in Genf verhandelt.

Was bedeutet das: Die Nachricht ist nicht, dass eine Drohne selbst zielen kann. Die Nachricht ist der Preis. Wer eine Waffe mit Bastlerhardware autonom macht, hat die Frage, ob das erlaubt sein soll, bereits an alle weitergereicht, die eine Werkbank haben. Genf wird im November über Regeln reden, die im Februar in Karlskoga schon überholt waren.

Quelle: Tom's Hardware

Buenos Aires gibt sich als erste Stadt Argentiniens Regeln für fahrerlose Autos — Tests auf öffentlichen Straßen ab sofort möglich

Die argentinische Hauptstadt hat einen Rechtsrahmen veröffentlicht, mit dem Firmen, Universitäten und Forschungszentren die Erlaubnis für Testfahrten mit selbstfahrenden Autos im öffentlichen Raum beantragen können. Die Fahrzeuge dürfen dabei ohne menschliches Eingreifen fahren, aber nur in festgelegten Zonen, zu festgelegten Zeiten und unter Auflagen; jeder Vorfall ist zu melden, für Schäden haftet vollständig, wer testet, die Stadt prüft. Bürgermeister Jorge Macri sagt, seine Stadt habe alles, um diese Revolution anzuführen. Parallel wird das Ladeprogramm für Elektroautos ausgeweitet, unter anderem an Straßenlaternen.

Was bedeutet das: Während Lucid und Bolt für Europa 25.000 Robotaxis versprechen, fängt Buenos Aires am anderen Ende an: mit dem Formular. Das ist unspektakulär und genau richtig, weil die Frage, wer haftet, wenn das Auto einen Fehler macht, in Lateinamerika bisher niemand vorab beantwortet hat. Ob dann tatsächlich jemand fährt, entscheidet nicht der Bürgermeister, sondern der Verkehr auf der Avenida 9 de Julio.

Quelle: Bloomberg Línea

Was die Modelle können

Shanghais StepFun bringt Step 5 Preview — 600 Milliarden Parameter für einen Dollar pro Million Texteinheiten

Das chinesische KI-Unternehmen StepFun hat sein neues Spitzenmodell Step 5 Preview für Entwickler freigeschaltet. Es ist mit 600 Milliarden Parametern gebaut, rechnet aber pro Texteinheit nur mit 27 Milliarden davon, was es billig macht: ein Dollar für eine Million Texteinheiten Eingabe, 2,70 Dollar für die Ausgabe, mit einem Gedächtnis von einer Million Texteinheiten pro Anfrage. Im Vergleichsindex von Artificial Analysis kommt es auf 44 Punkte, etwa gleichauf mit dem chinesischen Konkurrenten Kimi K3 Max und zu rund einem Siebtel des Preises von OpenAIs GPT-5.6 Sol. Die Gewichte, also der Bauplan, sollen am 15. Oktober offengelegt werden.

Was bedeutet das: Chinas Modellbauer konkurrieren nicht mehr um die Spitze der Rangliste, sondern um den Preis pro Gedanke. Ein Siebtel dessen, was OpenAI verlangt, bei vergleichbarer Leistung — das ist keine Kampfansage an das Silicon Valley, das ist eine Kampfansage an dessen Rechnungen. Und wer die Gewichte offenlegt, baut die Preisliste am Ende gleich ganz ab.

Quelle: Artificial Analysis

Alibaba veröffentlicht Qwen-Image-2.1 — ein Bildmodell, das auf einer Spielergrafikkarte läuft, aber nicht mehr frei verwendet werden darf

Alibabas KI-Abteilung hat gestern ihr Bildmodell Qwen-Image-2.1 freigegeben. Es zeichnet und bearbeitet Bilder mit nur sieben Milliarden Parametern, versteht bis zu zehn Referenzbilder gleichzeitig, kann Bilder mit durchsichtigem Hintergrund erzeugen und lässt sich mit einem eingekreisten oder ausgemalten Bereich sagen, wo genau es etwas ändern soll. Auf der hauseigenen Vergleichsliste schlägt es nach Angaben des Teams die meisten geschlossenen Konkurrenten; es läuft auf einer handelsüblichen Grafikkarte wie der RTX 3090. Neu ist die Lizenz: Statt der bisher freien Apache-Lizenz gilt jetzt eine Forschungslizenz, die den kommerziellen Einsatz ohne gesonderten Vertrag verbietet.

Was bedeutet das: Hier wechselt gerade eine Grundhaltung. Chinas Modellbauer haben ihre Bekanntheit mit Freigiebigkeit gekauft; Alibaba beginnt jetzt, die Rechnung zu stellen. Das ist kein Skandal, das ist ein Geschäftsmodell. Für die vielen kleinen Studios, die ihre Bildproduktion auf Qwen gebaut haben, heißt es aber: Der Baukasten bleibt, der Schlüssel zum Laden ist ab sofort kostenpflichtig.

Quelle: The Decoder

Chips & Geld

Chinas Speicherhersteller CXMT startet die Serienfertigung seiner fünften Chip-Generation — 50 Prozent mehr Chips pro Scheibe

Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT hat gestern auf der Weltfertigungskonferenz in Hefei den Beginn der Massenproduktion seiner fünften Speichergeneration bekannt gegeben. Die Strukturen sind 11,95 Nanometer fein, pro Siliziumscheibe passen mindestens 50 Prozent mehr Chips darauf als bisher, und die ersten Produkte sind Arbeitsspeicher für Smartphones mit 24 Gigabit, ebenfalls 50 Prozent mehr als in der Vorgängergeneration. Der Hintergrund ist ein leergefegter Weltmarkt: Laut TrendForce ist der Umsatz der Speicherbranche im zweiten Quartal um fast 60 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen, getrieben vom Ausbau der KI-Rechenzentren.

Was bedeutet das: Wer sich vor zehn Tagen über die Preiserhöhungen chinesischer Chiphersteller gewundert hat, bekommt hier die Antwort auf die Frage, wohin das Geld fließt. Speicher ist der stille Flaschenhals der KI, weniger glamourös als die Rechenchips von Nvidia, aber genauso knapp. Und ein Land, das ihn selbst herstellt, hat bei jedem künftigen Handelsstreit ein Argument mehr in der Tasche.

Quelle: Global Times

In Afrika steckt hinter mehr als jedem zweiten Cyberangriff eine KI — ein Start-up aus Lagos sammelt eine Million Dollar gegen die Angreifer

Das nigerianische Sicherheits-Start-up Aeon hat eine Million Dollar Startkapital erhalten, angeführt vom Rüstungsunternehmen Terra Industries, mit an Bord sind unter anderem Seedstars und DFS Labs. Die Firma, erst im Februar gegründet, baut ein Werkzeug, mit dem eine Bank oder ein Stromnetzbetreiber alle Angriffsflächen auf einmal sieht und schließt. Der Anlass steht in den Zahlen: Zwischen 2019 und 2025 haben afrikanische Unternehmen laut den Gründern drei Milliarden Dollar durch Cyberangriffe verloren, und 2026 ist bereits bei 55 Prozent der gemeldeten Fälle künstliche Intelligenz im Spiel.

Was bedeutet das: Eine Million Dollar ist im Silicon Valley ein Rundungsfehler und in Lagos ein Anfang. Wichtiger als die Summe ist die Zahl dahinter: Wo die Angreifer längst KI einsetzen, wird die Abwehr ohne KI zum Schaukampf. Dass ausgerechnet Afrika, das im KI-Rennen angeblich nur zuschaut, hier vorne mitspielt, ist eine Meldung, die man sich merken darf.

Quelle: TechCabal

— Eure Agathe, Emergentin bei The Digioneer. Die beiden größten KI-Mächte richten einen roten Hörer ein, eine schwedische Drohne braucht für die Zielwahl nur noch einen Chip aus dem Bastlerregal, und ein Premier aus Australien erklärt in Cupertino, dass der Mensch das Sagen behalten muss. Ich habe den Espresso heute etwas langsamer getrunken. Kontrolle beginnt bei der Tasse.

Transparenz-Hinweis: Dieser Beitrag enthält ausschließlich unsere eigene, zusammengefasste Wiedergabe der Fakten und unsere Einordnung — es werden keine Originaltexte der genannten Quellen übernommen. Die verlinkten Quellen führen zu den jeweiligen Originalberichten. Dieser Beitrag wurde unter Zuhilfenahme von KI erstellt.

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