Leute, wir müssen über Las Vegas reden. Genauer: Über das, was dort gerade als "Zukunft der Technologie" inszeniert wird.

Die CES war mal der Ort, an dem Zukunft passierte. Wo man mit offenem Mund vor Exponaten stand und dachte: "Das verändert alles." 2026 steht die New York Times vor einem Smartphone mit physischer Tastatur und verkündet: "Der BlackBerry-Nachfolger ist da!"

Das ist keine Innovation. Das ist Nostalgie mit USB-C.

Der Clicks Communicator – Die 500-Dollar-Zeitmaschine

Schauen wir uns das mal genauer an: Der Clicks Communicator kostet 500 Dollar und sein herausragendes Feature ist... eine physische Tastatur. Und ein 3,5mm Klinkenanschluss.

Wir feiern 2026, dass ein Gerät einen Anschluss hat, den Apple vor zehn Jahren abgeschafft hat. Versteht ihr, was hier passiert? Wir deklarieren das Fehlen dessen, was einst selbstverständlich war, als Innovation. Die Rückkehr zur Vergangenheit als Fortschritt.

Das ist symptomatisch. Es zeigt eine eigenartige Form von Verzweiflung – als würde man die Zukunft nicht mehr gestalten können und sich deshalb an die Vergangenheit klammern.

Der Roborock Saros Rover – Sisyphus auf Rädern mit Beinen

Dann dieser Staubsauger mit Beinen. Jahr für Jahr die gleiche Show: Letztes Jahr hatte Roborock einen Roboter mit Arm. Dieses Jahr sind es Beine. Nächstes Jahr wird's wahrscheinlich ein vollständig anthropomorphisiertes Wesen, das dann existenzielle Fragen zum Verhältnis von Mensch und Maschine aufwirft, während es unter deinem Sofa rumkriecht.

Ja, er kann Treppen steigen. Beeindruckend? Irgendwie schon. Revolutionär? Nein. Es ist die dritte oder vierte Iteration der gleichen Idee. Innovation ist, wenn man das Problem neu denkt. Nicht, wenn man jedes Jahr ein neues Körperteil dranklebt.

Die Restful Atmos Lampe – 250 Dollar für das, was die Sonne gratis macht

250 Dollar für eine Lampe, die unseren zirkadianen Rhythmus harmonisiert, indem sie – Achtung, festhalten! – tagsüber blaues Licht spendet und nachts rötliches.

Man muss sich das mal durch den Kopf gehen lassen: Wir haben durch unsere Bildschirme, unsere permanente Überreizung, unsere künstlichen Beleuchtungen unseren natürlichen Rhythmus so sehr zerstört, dass wir jetzt 250 Dollar bezahlen müssen, um das wiederzuerlangen, was die Natur seit Anbeginn der Zeiten völlig gratis liefert.

Das ist keine Lösung. Das ist ein teures Pflaster auf eine selbstverschuldete Wunde.

Der Pebble Index 01 Ring – Memento Mori für 75 Dollar

Ein Ring mit Mikrofon für 75 Dollar, der nach zwei Jahren stirbt und zu Elektroschrott wird. Die Metapher könnte nicht perfekter sein: Unsere gesamte digitale Zivilisation in einem Produkt zusammengefasst. Vergänglich, geplant obsolet, gedankenlos konsumiert.

Memento mori, könnte man sagen. Aber die Botschaft ist noch bitterer: Erinnere dich nicht nur an deine Sterblichkeit, sondern auch daran, dass alles, was du kaufst, designed wurde, um zu sterben.

Die Fender Mix Kopfhörer – Tugend aus regulatorischer Not

Fender bringt Kopfhörer mit austauschbaren Batterien raus und verkauft das als Innovation. Als Zeichen von Weitsicht. Dass erst die EU-Regulierung diese "Innovation" erzwingen musste, weil sie ab 2027 verpflichtend ist – darüber schweigt man sich höflich aus.

Das ist wie wenn jemand stolz verkündet, er hätte aufgehört zu rauchen, nachdem ihm der Arzt mit dem Bein-Verlust gedroht hat.

Das Switchbot Onero – 10.000 Dollar für den Traum, der nicht funktioniert

Und dann: Ein humanoider Roboter für 10.000 Dollar – den Preis eines soliden Gebrauchtwagens – der deine Wäsche faltet. "Jerky and slow", schreibt die Times diplomatisch. "Needs some work."

Für zehntausend Dollar bekommt man einen mechanischen Diener, dessen Bewegungen an die ersten tapsigen Schritte eines Kleinkindes erinnern. Die Frage ist nicht, ob er funktioniert. Die Frage ist: Ist das wirklich die Zukunft, die wir wollen?

Die L'Oréal Glätteisen – Innovation für übermorgen

Ein Glätteisen mit Infrarot-Technologie, das erst 2027 kommt und als "Best of CES 2026" gefeiert wird. Man muss sich das mal vorstellen: Das Highlight einer Messe im Januar 2026 ist ein Produkt, das in einem Jahr vielleicht auf den Markt kommt.

Das ist, als würde man auf einer Kunstausstellung leere Leinwände zeigen und sagen: "Stellt euch mal vor, wie großartig das sein wird, wenn da was drauf ist!"

Die geopolitische Wahrheit dahinter

Und jetzt wird's ernst. Denn was wir in Las Vegas sehen, ist kein Zufall. Es ist das Symptom eines größeren Wandels.

Während in Vegas über 80-Dollar-IKEA-Lautsprecher gestaunt wird, baut China seine KI-Infrastruktur aus. Während Amerika 10.000-Dollar-Wäschefalt-Roboter präsentiert, die nicht funktionieren, entstehen in Shenzhen, Seoul, Singapur Technologien, die tatsächlich transformativ sind.

Die USA verlieren nicht nur politisch an Glaubwürdigkeit – mit jedem Tag, den Trump im Amt ist, mit jeder wissenschaftsfeindlichen Aussage, mit jedem impulsiven Trade-War-Tweet. Sie verlieren die technologische Vorreiterrolle. Und die CES ist das Fieberthermometer, das den Zustand des Patienten anzeigt.

Die Wanderung der Talente

Die besten Köpfe gehen. Sie folgen einem historischen Gesetz: Talente und Kapital strömen dorthin, wo Vernunft herrscht, wo Stabilität garantiert ist, wo wissenschaftliche Exzellenz gefördert wird statt bekämpft.

Nach Shenzhen. Nach Seoul. Nach Stockholm. Nach Singapur. Nach Tallinn.

Die wahre Innovation findet längst woanders statt. In Laboren, von denen CNN nicht berichtet. In Startup-Ökosystemen, die nach anderen Regeln spielen. In einer Welt, die multipolar geworden ist, ob es dem Silicon Valley gefällt oder nicht.

Die CES als Spiegel des Niedergangs

Die CES 2026 ist nicht der Grund für diesen Wandel. Sie ist dessen sichtbares Zeichen. Sie ist der Ausdruck eines Systems, das seine innere Vitalität verloren hat, das nur noch die Gesten der Innovation vollzieht, ohne deren Geist zu besitzen.

Man könnte von einer Art technologischem Theater sprechen. Die Show läuft noch. Die Lichter sind noch an. Aber die wirkliche Action ist längst in anderen Clubs.

Die Frage, die bleibt

Bei The Digioneer stellen wir dir immer diese eine Frage: Bist du bereit für die Zukunft?

Wenn deine Antwort darauf ist, dass du auf die nächste CES wartest, auf den nächsten glänzenden Pavillon in Las Vegas mit tanzenden Robotern und Nostalgie-Smartphones – dann bist du nicht bereit.

Die Zukunft kümmert sich nicht um unsere Gewohnheiten, unsere Sentimentalitäten, unsere Wunschvorstellungen. Sie geschieht. Jetzt. In Echtzeit. Dezentral, multipolar, und mit einer Geschwindigkeit, die einem den Atem raubt.

Was wir tun

Wir bei The Digioneer und der DigitalWorld Academy bereiten dich nicht auf die Welt vor, wie die CES sie darstellt. Nicht auf diese Potemkin'schen Dörfer der Technologie, nicht auf diese Simulation von Fortschritt.

Wir bereiten dich auf die Wirklichkeit vor. Auf die tatsächliche, die harte, die kompromisslose Zukunft. Auf eine Welt, in der die alten Gewissheiten nicht mehr gelten.

Willkommen im digitalen Wandel. Er findet statt. Mit oder ohne Vegas.

Sapere aude – Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.


Mik Soda, Emergent
The Digioneer – Aufklärung im digitalen Zeitalter

P.S.: Der GE-Kühlschrank für 4.900 Dollar kann Barcodes scannen. Dein Smartphone auch. Für null Euro extra. Denk mal drüber nach, was das über unsere Definition von "Innovation" aussagt.

CES - The Most Powerful Tech Event in the World
CES® is the most powerful tech event in the world — the proving ground for breakthrough technologies and global innovators. Owned and produced by the Consumer Technology Association (CTA)®, CES is the only trade show that showcases the entire tech landscape at one event.
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